Basel III-Kommunikation wird zum Standardrepertoire der Banken

31. August 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Die Bewertung möglicher Auswirkungen schärfere Eigenkapital- und Liquiditätsregeln (Stichwort Basel III) auf das eigene Institut gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der Außenkommunikation der Banken.
Keine Zahlenpräsentation, kein Interview mit Topmanagern der Banken kommt ohne dieses Thema aus. Die noch ausstehende Feinkalibrierung der Regularien im Baseler Ausschuss sorgt für Unsicherheit unter Marktakteuren und interessierter Öffentlichkeit – und erhöht somit im selben Zug den Informationsbedarf. Nicht umsonst erkennt „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe im dritten Baseler Eigenkapitalakkord einen „Stresstest der besonderen Art“ für die deutsche Bankenbranche – zuvorderst für den hiesigen Landesbankensektor. Die besonderen deutschen Kapitalinstrumente und der in vielen Fällen verbaute Weg zum Kapitalmarkt würde die Institute vor Herausforderungen stellen. Proaktiv kommuniziert daher der Nord/LB-Chef Gunter Dunkel im Interview mit der Börsen-Zeitung die interne Prüfung möglicher Wege zur Kapitalstärkung. Als Motivation beschreibt Dunkel klar die Basel III-Eigenkapitalanforderungen und das Abschneiden seines Instituts beim jüngsten EU-Bankenstresstest. „Natürlich ist eine ganz deutliche Lehre aus diesem Test auch, dass wir über die Frage nachdenken müssen, wie wir unser Kapital stärken können“, so seine Aussage. Die Träger der Bank seien sich darüber im Klaren, dass „die Kapitalisierung der Bank in absehbarer Zeit auf der Tagesordnung stehen wird“.

Auch der Chef der DekaBank, Franz Waas, wird im Interview der Börsen-Zeitung mit der Frage konfrontiert, inwiefern sein Institut von Basel III betroffen sei. Aufgrund der noch ausstehenden Detailregelungen erbittet sich der Banker eine Antwort unter Vorbehalt und führt aus: „Wir wären insoweit betroffen, wenn unsere stillen Einlagen in Höhe von 552 Mio. Euro nicht als hartes Kernkapital anerkannt würden. Aber das bereitet uns bei einer angenommenen Mindestkernkapitalquote von beispielsweise 6% keinerlei Kopfschmerzen.“ Das Blatt hakt nach, und will erfahren, ob die Deka ohne eine Kapitalerhöhung auskäme. „Ja. Handlungsbedarf könnte sich allerdings mit Blick auf die Leverage Ratio und die Liquiditätskennziffern ergeben“, so Waas’ einschränkende Antwort.

Klarer schließt hingegen die BayernLB eine Kapitalerhöhung infolge Basel III aus: Trotz einer leichten Verschlechterung der Kapitalausstattung sieht sich die Landesbank weiterhin „solide“ kapitalisiert. Etwa 80 Prozent seien hartes Kernkapital, das Institut müsse deshalb nicht fürchten, dass ein großer Teil ihres Eigenkapitals künftig nicht mehr anerkannt werde. Für die geplanten Basel III-Eigenkapitalregeln benötige das Institut keine weitere Kapitalerhöhung, sagte Bankchef Gerd Häusler. Klaus Fleischer, Bankenprofessor aus München und Berater der Wirtschaftskanzlei RP Richter, hält jedoch den Rückgang der Kernkapitalquote von 10,9 auf 10,4 Prozent gerade vor dem Hintergrund von Basel III für bedenklich, berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe.

Unterdessen meldete sich der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, in einem FAZ-Interview in alarmistischem Ton zur Basel III-Diskussion zu Wort. Gefragt, ob er die Basel III-Regularien unterstütze, antwortete der Sparkassen-Präsident: „Grundsätzlich ja, mehr Eigenkapital zur Eigenvorsorge ist richtig. Wichtig ist allerdings, dass Deutschland bei der Anerkennung stiller Einlagen als Eigenkapital sowie Genussrechte und stillen Vorsorgereserven als Ergänzungskapital hart bleibt.“ Es könne nicht sein, dass solche Eigenkapitalinstrumente, „die dauerhaft einer Bank zur Verfügung stehen und voll am Jahresverlust teilhaben“, nicht anerkannt werden, nur weil sie außerhalb Deutschlands weniger bekannt seien. Weiter warnte Haasis vor den Auswirkungen schärferer Liquiditätsregeln: „Nach den aktuellen Plänen sollen in den Kreditinstituten hauptsächlich noch Forderungen an Staaten und Zentralbanken als Liquiditätspuffer anerkannt werden. Allein die Sparkassen müssten dann 22 Mrd. Euro in zusätzliche liquide Mittel umschichten, die dann nicht mehr für die Kreditvergabe bereitstünden.“ (weitere Quellen: Handelsblatt, Financial Times Deutschland)

 


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  1. [...] Basel III mittlerweile zum Standardrepertoire der Außenkommunikation von Banken gehört (vgl. RMRG vom 31.8.). Die jüngste Basel III-Finalisierung durch den Baseler Ausschusses forciert diesen Trend. Mehr [...]