Plädoyer für Eigenkapitalunterlegung von Finanzaktiva

3. September 2010 | Von | Kategorie: Basel III

papers3Nach Ansicht von David Milleker und Stefan Sauerschell, Chefvolkswirt und Fondsmanager bei Union Investment, sollte der dritte Baseler Eigenkapitalakkord ein „Korsett“ für alle Finanzakteure sein.
Die Experten loben in einem Beitrag für die Financial Times Deutschland einleitend die Grundausrichtung von Basel III. „Basel hat das Ziel, die Geschäftsaktivität einer Bank so zu regulieren, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit der Bank minimiert wird.“ Man müsse jedoch immer das Systemrisiko des Bankensektors im Blick haben. So sei die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Bank nicht unabhängig von der Ausfallwahrscheinlichkeit anderer Institute. Diese Interdependenz beschreiben die Autoren mit folgendem Beispiel: „Es entsteht eine ähnliche Situation wie im Kino, wenn ein Zuschauer aufsteht, um seine eigene Sicht auf die Leinwand zu verbessern. Nur verschlechtert er damit eben auch die Sicht vieler anderer.“ Ebendiese Problematik müsse Regulierung adressieren. „Zentraler Ansatzpunkt der Basel III-Vorschläge hierbei ist die Schaffung besserer Puffer, sodass – um im Bild zu bleiben – sich erst gar keiner aus seinem Sitz erheben muss“, heißt es.

Im zweiten Teil ihres FTD-Beitrags merken die Union Investment-Autoren an, dass es ein grundsätzliches Problem sei, dass die Baseler Regeln nur die Banken in den Blick nehmen würden, „nicht aber andere Finanzmarktakteure“. So heißt es: „Faktisch stehen diese aber unter genau denselben Zwängen, auf Schieflagen durch Verkauf von Aktiva oder die Erhöhung von Eigenkapital zu reagieren. Und ob ein Wertpapier nun im Krisenfall von einer Bank, einem Finanzinvestor oder einem Hedge-Fonds verkauft wird, macht für den Einfluss auf den Marktpreis keinen Unterschied.“ Völlig wirkungslose werde Regulierung gar für den Fall, wenn man einen Teil des Systems straffer reguliert, einen anderen aber belässt wie zuvor. „Verlagert sich dann nämlich die Aktivität in den anderen, unregulierten Teil des Systems, ändert sich am Gesamtzustand nichts.“

Als Vorschlag zur Auflösung dieses Regulierungsdilemmas verweisen Milleker und Sauerschell abschließend auf einen Vorschlag der Ökonomen Samuel Hanson, Anil Kashyap und Jeremy Stein, die Mindestgrenzen für die Eigenkapitalunterlegung von Finanzaktiva festsetzen wollen, „egal von welchem Akteur das Papier gehalten wird“. Die Experten von Union Investment plädieren dafür, dass diese Mindestgrenze unabhängig vom Rating der Wertpapiere sein solle. „Dadurch kann in einer Krisensituation die durch Ratingherabstufungen ausgelöste Eigenkapitalschwäche im Finanzsystem abgemildert werden.“ Zur Diskussion um die Auswirkungen von Basel III heißt es abschließend: „Kurzfristige Entzugserscheinungen sind aber immer eine schwache Begründung, das als richtig Erkannte nicht oder nur halbherzig zu tun.“

 


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