Erste-Chef Treichl kritisiert den Ansatz von Basel III

6. September 2010 | Von | Kategorie: Basel III

Andreas Treichl, Chef der österreichischen Erste Bank – Spitzeninstitut der dortigen Sparkassen, hält den Ansatz von Basel III für einen großen Fehler, weil kein Unterschied gemacht werde zwischen riskanten Investmentbankgeschäften und dem „normalen Sparkassengeschäft“. Die Banken müssten zurück zum normalen Kundengeschäft – „Hereinnahme von Einlagen, Vergabe von Krediten“. Und die Kunden müssten das auch zurückzahlen können. Dies sei aber momentan nicht der Ansatz von Basel III. Weil die großen Banken in den USA und in Großbritannien viel mehr im Investmentbanking verdienten als im normalen Retailbanking, hätten sie kein Interesse, dass das Basel III-Regelwerk in Richtung des alten Sparkassengeschäfts verschoben werde. „Unsere Stimme ist nicht laut genug“, klagte Treichl im Rahmen des Wirtschaftsforums Alpbach.

In einem Beitrag der „Kleinen Zeitung“ wird Erste-CEO Andreas Treichl weiter dahingehend wiedergegeben, dass ausreichende Liquidität der zentrale Faktor für Banken sei, um Krisen zu überstehen. „Nächste Woche jährt sich zum zweiten Mal der Konkurs von Lehman Brothers. Lehman hat die Finanzkrise nicht ausgelöst, aber damals begann die dramatische Entwicklung an den Börsen. Lehman hatte damals ein Core-Tier-1-Kapital von 11 Prozent.“ Es sei also nicht mangelndes Eigenkapital, das die Weltwirtschaftskrise ausgelöst habe, so der als einer der eifrigsten Basel III-Kritiker bekannte Treichl (vgl. RMRG vom 4.5.).

Im Rahmen des „Forum Alpbach“ diskutierte Treichl mit dem österreichischen Finanzminister Josef Pröll, dem tschechischen Notenbankgouverneur Miroslav Singer und der rumänischen Finanzminister Gheorghe Vladescu über die zukünftigen Eigenkapitalvorschriften für Banken und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Das Portal „boerse-express“ merkte dazu an: „Die Fragen, wieviel Eigenkapital die Banken künftig unterlegen müssen und wieviele Assets (die im Notfall schnell zu Geld gemacht werden können), bewegen seit geraumer Zeit die Gemüter – auch vor dem Hintergrund nationaler Interessenskonflikte.“

 


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