„Basel III-Drama“ steuert auf Höhepunkt zu

7. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Die laufende Sitzung des Baseler Ausschusses zur Feinkalibrierung von Basel III und die erneuten Einwendungen der deutschen Banken gegen das Eigenkapitalregelwerk sorgen für ein aufgeregtes Stimmengewirr und verunsichern die Markakteure.
Die Financial Times Deutschland berichtet über ein aktuelles Diskussionspapier des Sekretariats des Baseler Ausschusses, in welchem die Forderung verankert sei, dass die Kernkapitalquote von Banken künftig „auf mindestens neun Prozent, teilweise sogar auf bis zu zwölf Prozent steigen soll“. Hintergrund ist ein entsprechender Bericht der „Zeit“ auf ihrem Online-Portal (Die Zeit online, 6.9.). Das Papier wird dabei als Entscheidungsgrundlage für die in Basel versammelten Aufseher beschrieben. Die FTD konstatiert: „Eine derart starke Erhöhung der Kernkapitalquote würde zu einem enormen Kapitalbedarf der Banken weltweit führen.“ Ähnliches befürchten die deutschen Kreditinstitute. So prognostiziert der Bundesverband deutscher Banken (BdB) einen zusätzlichen Eigenkapitalbedarf für die zehn größten deutschen Banken in Höhe von 105 Mrd. Euro. Alle deutschen Institute müssten Kredite im Volumen von mindestens 1000 Mrd. Euro abbauen, so die Aussagen des Verbandes.

Der BdB warnt zudem davor, dass Basel III – ähnlich wie das derzeit geltende Basel II – international nicht vollständig umgesetzt werden könnte und somit Wettbewerbsverzerrungen entstehen. Insbesondere befürchtet man, dass sich die US-Banken hier Wettbewerbsvorteile verschaffen. „Wir gehen davon aus, dass sich das ähnlich entwickeln kann wie bei Basel II“, wird Hans-Joachim Massenberg, Vize-Hauptgeschäftsführer des BdB, vom Handelsblatt zitiert. Auch die Sparkassen und der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) warnen erneut vor den Folgen zu strikter Regelungen durch Basel III. Der VÖB richtet gar einen dramatischen Appell an den Finanzausschuss des Deutschen Bundestags. Die Börsen-Zeitung zitiert aus einem Schreiben: „Wir möchten um Unterstützung bitten, damit die deutsche Verhandlungsdelegation in Basel mit einem robusten politischen Mandat ausgestattet wird, um zu verhindern, dass das Eigenkapitalinstrument der stillen Einlage ersatzlos wegfällt.“ Weiter wird sorgenvoll ausgeführt: „Sollten stille Einlagen, wie geplant, nicht mehr als Kernkapital anerkennungsfähig sein, würde deutschen Kreditinstituten Kernkapital in Höhe eines mittleren zweistelligen Milliardenbetrags wegreguliert.“ Jedoch scheinen diese Einwände vergebens – hatte doch schon Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag zu erkennen gegeben, dass Deutschland seinen Widerstand im Baseler Gremium in Bezug auf die Anrechenbarkeit stiller Einlagen beim „harten“ Kernkapital nicht aufrecht erhalten wird. „Deutschland wird Basel III nicht blockieren“, so seine Aussage (vgl. RMRG vom 28.7.). Deutschland würde sich nun auf eine zeitliche Streckung bei der Implementierung der Regularien konzentrieren.

Auch die Kommentatoren der Zeitungen beschäftigen sich eingehend mit dem Thema Basel III und den Warnungen der Finanzbranche. So versucht selbst die bankennahe Börsen-Zeitung auf ihrer Titelseite den „Horrorszenarien“ der Kreditinstitute die Dramatik zu nehmen. Würde man ebendiese „buchstaben- und zahlengetreu“ auslegen, „dann scheint der Untergang des Abendlandes nicht mehr fern“. Weiter wirbt man um Verständnis für die „Sisyphusaufgabe“ der Aufseher im Baseler Ausschuss: „Gehen sie mit den Banken zu sanft um, leisten sie der nächsten Krise Vorschub. Agieren sie zu rigoros, riskieren sie, die Welt in eine neue, noch tiefere Rezession zu treiben. Ohne Zweifel: In Basel wird heute mehr als nur Bankgeschichte geschrieben.“

 


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  1. [...] RMRG: „Basel III-Drama“ steuert auf Höhepunkt zu [...]

  2. [...] zehn größten deutschen Institute zusätzliches Kapital von 105 Mrd. Euro benötigen würden (vgl. RMRG vom 7.9.). „Diese Zahl würden wir so nicht mehr bekannt geben“, hatte schon BdB-Chefvolkswirt Bernd [...]