Basel III-Details sind festgezurrt

9. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselokayNachdem die Grundmauern des „Basel III-Gebäudes“ schon seit einiger Zeit stehen, kann nun offenbar „Richtfest“ gefeiert werden – der finale Anstrich soll am Wochenende folgen.
Noch gestern drangen Informationen an die Öffentlichkeit, dass der Baseler Ausschuss seine Sitzung am Dienstag beendet habe, ohne einen Konsens zu schärferen Eigenkapitalregeln für Banken gefunden zu haben. Mittlerweile stellt sich die Situation anders dar – respektive steuern die im Gremium vertretenen Aufseher diesem Eindruck kommunikativ entgegen. So berichtet die heutige Presse unisono über einen Kompromiss, der nun am Sonntag vom Gouverneursrat des Ausschusses final abgesegnet werden soll. Auf ihrer Titelseite vermeldet die Börsen-Zeitung „Basel III ist auf der Zielgeraden“ – und verweist auf Aussagen des am Sonntag in Basel mit abstimmenden Bundesbank-Chefs Axel Weber. „Der Zug nach Basel ist on track“, erklärte Weber. Das Handelsblatt berichtet, dass der nun anstehende Kompromiss zumindest in Teilen hinter den Extremforderungen im Ausschuss zurück bleibe. „Außerdem zeichnen sich lange Übergangsfristen ab, die gerade den hierzulande oft vergleichsweise schwach kapitalisierten Häusern entgegenkommen.“ Nach Aussage von Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler haben die Banken ausreichend Zeit, sich über eine ab 2013 greifende Stufenregelung auf die neuen Anforderungen einzustellen. Die Übergangsphase soll zwischen 5 und 10 Jahren betragen. „Das legt nahe, dass der Kompromiss am Ende bei sieben Jahren liegt“, so das Handelsblatt.

„Als gesichert gilt, dass die Kernkapitalquote der Banken künftig bei mindestens sechs Prozent liegen wird“, merkt die Zeitung zu den jetzt kommunizierten Grundrissen des Basel III-Konsens weiter an. Das Gremium hat hier nach Aussage von Bundesbank-Vize Zeitler einen Kompromiss im Vergleich zu den Vorschlägen des Sekretariats des Baseler Ausschusses gefunden. Dessen strikt formulierten Forderungen hatten die jüngsten, teils dramatisch formulierten, Einwände der Banken ausgelöst. Bundesbank-Chef Weber wies gestern im Rahmen der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ diese Kritik zurück: „Die neuen Regeln werden kommen. Die neuen Regeln werden nicht dazu führen, dass das Bankensystem in seiner Effizienz beeinträchtigt wird.“ Diese „Klartext-Wortmeldung“ richtet sich nach Ansicht des Handelsblatts vor allem an Branchenverbände und Topbanker.

Den jüngsten Informationen zufolge, wird im Rahmen von Basel III zudem ein Kapitalpuffer zur Pflicht. „Unterschreiten Banken diesen, werden sie von der Aufsicht zwar nicht geschlossen, doch sie dürfen dann nur noch begrenzt Dividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen“, merkt das Handelsblatt an. Hier war ursprünglich eine Quote von drei Prozent als permanenter Kapitalpuffer in der Diskussion. „Der Ausschuss hat sich nun offenbar auf einen geringeren Wert geeinigt“, heißt es. Nach Analyse der Börsen-Zeitung konnte Deutschland auch bei der hierzulande heftig attackierten Leverage Ratio eine weitere Lockerung durchsetzen. Ohnehin wird diese nach der deutschen Intervention erst ab 2017 verbindlich – weiter konnte nun durchgesetzt werden, dass sich die Verschuldungsgrenze auf das Tier 1-Kernkapital und nicht wie zuvor vorgeschlagen nur auf das harte Kernkapital bezieht.

„Banken feiern Pyrrhussieg in Basel“, so die analysierende Überschrift der Financial Times Deutschland zum Baseler Kompromiss. Man betont, dass die Institute auch nach den nun offenbar verabredeten Lockerungen vor gewaltigen Herausforderungen stehen, dass Eigenkapital aufzupuffern. Als „hart, aber fair“ bewerten unisono das Handelsblatt und die Börsen-Zeitung die kommunizierten Grundrisse von Basel III. Nun könne sich der „Jammerfaktor etwas herunterfahren“, kommentiert die Börsen-Zeitung. Die Regulatoren hätten es „fairerweise vermieden“, „den von der Finanzkrise ausgelösten Handlungsbedarf in einem Hau-Ruck-Verfahren enden zu lassen“.

 


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2 Kommentare
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  1. [...] Der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, meldet sich mit klarer Kritik an der Kapitalisierung der deutschen Banken zu Wort und löst damit heftige Reaktionen aus. Die im Rahmen eines Treffens mit der Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion formulierten Aussagen zielen nach Bericht der FTD insbesondere auf die Landesbank und Sparkassen ab. Stark drängte dabei auf eine Konsolidierung des öffentlichen Bankensektors. Das Blatt analysiert: „Mit den Aussagen schürt Stark erhebliche Zweifel am Zustand des deutschen Bankensystems. Das ist umso überraschender, als selbst die Landesbanken beim Stresstest der EU im Juli, der unter starker Mitwirkung der EZB stattfand, positiv abgeschnitten haben.“ Zudem ließ der Ökonom durchblicken, dass es in den USA offenbar Wetten gebe, dass das deutsche Bankensystem nach Einführung von Basel III „nicht mehr so wie derzeit zu halten sein werde“ (vgl. RMRG vom 9.9.). [...]

  2. [...] RMRG: Basel III-Details sind festgezurrt [...]