Deutsches Bankensystem nach Basel III-Einführung „nicht mehr haltbar“?

10. September 2010 | Von | Kategorie: Basel III

papers1Der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, meldet sich mit klarer Kritik an der Kapitalisierung der deutschen Banken zu Wort und löst damit heftige Reaktionen aus.
Die im Rahmen eines Treffens mit der Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion formulierten Aussagen zielen nach Bericht der FTD insbesondere auf die Landesbank und Sparkassen ab. Stark drängte dabei auf eine Konsolidierung des öffentlichen Bankensektors. Das Blatt analysiert: „Mit den Aussagen schürt Stark erhebliche Zweifel am Zustand des deutschen Bankensystems. Das ist umso überraschender, als selbst die Landesbanken beim Stresstest der EU im Juli, der unter starker Mitwirkung der EZB stattfand, positiv abgeschnitten haben.“ Zudem ließ der Ökonom durchblicken, dass es in den USA offenbar Wetten gebe, dass das deutsche Bankensystem nach Einführung von Basel III „nicht mehr so wie derzeit zu halten sein werde“ (vgl. RMRG vom 9.9.).

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) trat Starks Ausführungen entschieden entgegen und wies dessen Vorschlag für eine Privatisierung des Sparkassensektors zurück. Die Institute hätten sich dank der öffentlich-rechtlichen Struktur in der Krise als „Stabilitätsanker“ erwiesen. Auch die bankennahe Börsen-Zeitung kritisiert den Ökonomen in einem Kommentar als „Madigmacher“. In den USA, „wo Banken sich mit Hilfe ihrer Aufseher durch Nichtanwendung schon des bisher geltenden Eigenkapitalakkords Basel II ohnehin auf mehr als grenzwertige Weise Wettbewerbsvorteile verschaffen“, werde man das „Verdikt“ gerne gehört haben, so der Kommentar. Hingegen betitelt die FTD Stark als „Klartext-Notenbanker“. „Er hat keine Scheu vor der Öffentlichkeit und traut sich, Unbequemes zu sagen, wenn er von etwas überzeugt ist.“

 


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