Basel III „in aller Munde“ – Banken rangeln um Position für Kapitalerhöhungen

13. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3_2Die gestern in Basel finalisierten Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken stoßen auf breites öffentliches Interesse und werden in Ausgestaltung und Auswirkung eingehend beleuchtet.
Die im Baseler Ausschuss versammelten Aufseher und Notenbankchefs zeigten sich gestern nach der Verabschiedung von Basel III zufrieden mit dem gefundenen Konsens. Aus Sicht des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet tragen die neuen Regeln zu langfristiger Finanzmarktstabilität bei. Die Übergangsregelungen ermöglichten es den Banken, die neuen Standards zu erfüllen und zugleich die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Bundesbank-Chef Axel Weber sprach von einem „international konsistenten und anspruchsvollen Rahmenwerk“, dessen schrittweise Übergangsphase es allen Banken ermögliche, die Anforderungen zu erfüllen. Auch in der Berichterstattung wird diese großzügige Implementierungsphase hervorgehoben. „Basel III wirkt bereits“, erkennt indes die FTD in einem Kommentar und verweist auf die anstehende, 9,8 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Die Börsen-Zeitung erwartet nun eine „Welle von Kapitalerhöhungen“ der Finanzinstitute, da die Marktakteure die neuen Regeln vorweg anlegen würden, um die Stabilität einer Bank zu überprüfen. Das Blatt meint zudem schon ein Gerangel der Institute um die beste Startposition für eine Kapitalaufpufferung zu erkennen. Ähnlich wie die Süddeutsche Zeitung erkennt man, dass die Deutsche Bank mit ihrem jetzt kommunizierten Schritt, der Commerzbank zuvor gekommen sei. „Der Markt ist damit völlig leer gefegt“, zitiert das Handelsblatt einen Banker.

Mit besonderer Spannung wurden die Festlegungen des Baseler Gremiums zu den Mindesteigenkapitalquoten und der entsprechenden Kernkapitaldefinition erwartet. Beschlossen wurde nun eine Anhebung der Kernkapitalquote (Tier-1) auf 6% von derzeit 4% vor und eine Straffung beim harten Kernkapital auf eine Quote von 4,5% (bislang 2%) jeweils im Zeitraum Januar 2013 bis Januar 2015. Zusätzlich wird den Banken die Schaffung eines Puffers von bis zu 2,5% des Eigenkapitals zum Ausgleich zyklischer Schwankungen auferlegt. Die für deutsche Banken bedeutsamen stillen Einlagen werden bei Aktiengesellschaften künftig nicht mehr als hartes Kernkapital anerkannt. „Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken werden auch stille Beteiligungen oder Genossenschaftskapital weiter anerkannt, wenn sie einen Katalog von Kriterien erfüllen“, merkt die FTD jedoch an.

Bei der gerade von deutschen Banken heftig attackierten Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) gab es von Seiten des Baseler Ausschusses jedoch keine Neuerungen. Bereits im Vorfeld war sie durch einen Beschluss des Gouverneursrats des Gremiums auf das 33-Fache von Tier-1 festgelegt worden und ist damit nach Analyse der Financial Times Deutschland „milder als gedacht“ ausgefallen. Eine verbindliche Einführung dieses „Sicherheitsnetzes“ in Basel III ist ohnehin erst für das Jahr 2018 festgesetzt. Zudem werden 2011 spezielle Auswirkungsstudien für dieses Regulierungsinstrument durchgeführt. Die hiesige Bankenbranche kritisiert die Leverage Ratio unisono und sieht durch diese den risikogewichteten Ansatz der Eigenkapitalregeln konterkariert.

Weniger im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen hingegen die Festlegungen im Bereich der Liquiditätsvorhaltung durch Basel III. Hier sollen die so genannte Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) verhindern, dass Banken kurzfristige Kredite zu langfristig refinanzieren. Die LCR soll 2015 eingeführt werden, die NSFR 2018. „Deutsche Banken müssen sich dafür hunderte Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität beschaffen“, fasst die Nachrichtenagentur Reuters zusammen. Umstritten sei hier die Zusammensetzung der dafür verwendeten Papiere gewesen. „Deutschland drängt darauf, dass die Banken neben Zentralbankguthaben und Staatsanleihen auch erstrangige Firmenanleihen vorhalten dürfen.“ Dazu habe sich der Baseler Ausschuss zunächst jedoch nicht geäußert (weitere Quellen: Dow Jones Newsires, NZZ, Der Standard).

Alle Details des neuen Eigenkapitalakkords sind im Detail auf den Seiten des Baseler Ausschusses einzusehen: http://www.bis.org/press/p100912.htm

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] Im Zuge des gefundenen Konsens zu Basel III werden nun mahnende Stimmen laut, dass auch die USA die Regularien vollumfänglich umsetzen müssen. Hintergrund ist das nicht implementierte Vorgängerregelwerk Basel II. „Basel III muss zeitgleich auf beiden Seiten des Atlantiks implementiert werden“, betonte Bundesbank-Chef Axel Weber. Es dürfe nicht passieren, dass Europa die strengeren Regeln einführe und die USA nicht. Die Financial Times Deutschland sieht bei diesem Thema nun auch zunehmenden Druck auf die USA. Bis gestern mussten nach Aussage von Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler alle Länder dem Baseler Ausschuss eine schriftliche Stellungnahme vorlegen, wie weit sie mit der Umsetzung von Basel II sind oder wann sie Basel II einführen werden.“ Damit habe das Gremium nach Ansicht der FTD getestet, ob das Land die für 2011 zugesagte Einführung von Basel II auch verbindlich wiederhole. Bei seiner gestrigen Außenkommunikation hatte sich das Gremium zu dieser Unterzeichnung nicht geäußert (vgl. RMRG von heute). [...]