Basel III: Öffentliche Banken geben den „schlechten Verlierer“

15. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Nach Auswertung der vom federführenden Baseler Ausschuss vorgelegten Basel III-Feinkalibrierung meldet sich die Bankenbranche jetzt mit ihren Einschätzungen zu den Auswirkungen der neuen Regularien zu Wort.
Dabei fällt das Echo ambivalent aus. So ist seitens des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB) heftige Kritik an den Festlegungen zu vernehmen. Die Börsen-Zeitung zitiert diese auf ihrer Titelseite und spricht von einem „regulatorischen Blindflug“ des Gremiums. Der Verband klagt, dass die geplanten Übergangsfristen zu kurz sind, weil die Eigenkapitalregeln „mehrfach und erheblich verschärft werden“. Die Landesbanken sehen sich gar als Verlierer der Beschlüsse. Die FAZ erkennt: „Besonders trifft es LBBW, WestLB und HSH Nordbank, in denen stille Einlagen nicht mehr zum harten Kernkapital zählen werden, weil sie in privater Rechtsform organisiert sind.“ Der VÖB lanciert zudem heftige Anwürfe gegen die deutschen Vertreter von BaFin und Bundesbank im Baseler Gremium: Diesen sei es nicht gelungen, die Besonderheiten des deutschen Bankensystems, insbesondere bei den stillen Einlagen, erfolgreich zu vertreten.

Auch seitens des Sparkassenverbandes DSGV ist wiederholte Kritik an dem dritten Baseler Eigenkapitalakkord laut geworden. So moniert man, dass die geplanten Änderungen die Unterschiede in der deutschen Kreditwirtschaft „nur unzureichend“ berücksichtigen würden. DSGV-Präsident Heinrich Haasis sieht daher die Notwendigkeit, bei der Umsetzung der Regelungen in europäisches Recht, bestehende Spielräume auszunutzen. „Insbesondere bei der Ausgestaltung der zusätzlichen Kapitalpuffer sowie der Übergangsfristen, müssten Änderungsvorschläge noch berücksichtigt werden“, so die Forderung. Auch das Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Gerhard Hofmann, bewertet Basel III skeptisch. Im FAZ-Interview betont Hofmann: „Die erhöhten Kapital- und Liquiditätsanforderungen sind nicht differenziert genug, denn sie belasten risikoarme und risikoreiche Geschäftsmodelle in gleicher Weise.“

Hingegen fällt die Bewertung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zu den Basel III-Details wesentlich abwägender aus. So sieht BdB-Präsident Andreas Schmitz im Handelsblatt das Regelwerk als wichtigen Beitrag, um das Finanzsystem insgesamt stabiler zu machen. Basel III sei zwar ambitioniert, aber die Umsetzung sei von den deutschen Privatbanken alles in allem zu schaffen – auch wenn es hierfür erheblicher Anstrengungen bedürfe. „Es ist gut, dass die Marschroute nun feststeht, auch wenn wir nicht jede einzelne Maßnahme für zielführend halten“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber laut Börsen-Zeitung. Der Verband dringt insbesondere auf eine international einheitliche Implementierung der Regeln (vgl. RMRG vom 13.9.). „Das ist ein rundes, gutes Paket, das wir unterstützen“, so die fast schon lobende Aussage des Chefs der größten deutschen Privatbank, der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Die Einigung sei anspruchsvoll, aber richtig.

US-Aufseher begrüßen Basel III-Konsens

Auf der anderen Seite des Atlantiks lösen die neuen Regularien vergleichsweise wenig Aufregung aus. Die „Los Angeles Times“ meint zu erkennen, dass die Basel III-Details von den US-Banken und -Marktakteuren mit Entspannung aufgenommen wurden (Titel: „Banking rules are met with optimism“). Auch die „Chicago Tribune“ sieht die positive Rezeption der Regularien und merkt an, dass die US-Aufseher noch am Sonntag den Basel III-Konsens begrüßt hätten. Konkret verweist man auf die Reaktionen der Notenbank Fed, des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) und der Einlagensicherung FDIC. Ebenso bewertet der Chef der kanadischen Notenbank (Bank of Canada), Mark Carney, den gefundenen Kompromiss zum neuen Eigenkapitalakkord positiv. „Mit Basel III verbessert sich die Qualität des Kapitals von Banken wesentlich“, so seine Aussage im Interview mit der Financial Times Deutschland.

 


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