Chef des Baseler Ausschusses drängt auf rasche Basel III-Implementierung

24. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Nach Aussage des Chefs des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, werden die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften (Stichwort: Basel III) die Bankenbranche Hunderte Milliarden Euro kosten.
Wellink, der auch Gouverneur der niederländischen Notenbank und EZB-Ratsmitglied ist, betonte laut Reuters in einem Interview mit einem niederländischen Radiosender: „Ich zögere ein wenig damit, Zahlen zu nennen, denn es geht um eine lange Übergangsphase von etwa acht Jahren, bei der sich die Zahlen ändern werden.“ Aber: „Es werden Hunderte Milliarden sein.“ Im Rahmen der Sitzung des Baseler Gremiums in Singapur appellierte Wellink zudem an die nationalen Regulatoren, Basel III nur als Mindeststandard anzusehen und diesen nach Möglichkeit rascher zu implementieren, als es die Übergangsfristen vorsehen. Dies gelte insbesondere in Ländern mit profitablen Bankensystemen. „Die Banken könnten die neuen Standards über verstärkte Thesaurierung, neue Kapitalaufnahmen oder eine Beschneidung von Risikoaktiva, die nicht notwendigerweise mit der Kreditgewährung an einen Endkunden verbunden sind, erfüllen“, fasst die Börsen-Zeitung die Aussagen zusammen.

Auch die Financial Times Deutschland gibt Wellinks Ausführungen wieder und erkennt: „Aufseher maßregeln Banken bei Basel III.“ Demnach wolle der Chef des Baseler Ausschusses mit einem Bonus- und Dividendenverbot die Geldinstitute zwingen, die neuen Eigenkapitalregeln möglichst rasch einzuführen. Damit widerspreche Wellink eigenen Aussagen aus dem Juni, wonach man die Einführung von Basel III so gestalten wolle, dass die Institute gut damit leben könnten: „Wir werden sicherstellen, dass sich der Bankensektor über die Einbehaltung von Gewinnen und vertretbare Kapitalerhöhungen an die neuen Vorschriften anpassen kann.“ Die FTD zeigt sich auch daher verwundert, „weil ein Dividenden- und Bonusstopp in Basel III eingebaut ist“. Man vermutet hinter dem Vorschlag eine Adressierung jener Banken, „die ohne große Probleme in der Lage wären, ihr Kapital den neuen Regeln anzupassen, die Fristen aber ausreizen, um möglichst lange Kosten zu sparen“. Dies konterkariere in den Augen der Aufseher das Ziel, das Finanzsystem zu stabilisieren.

In einem Kommentar zu Wellinks Positionen äußert sich die FTD kritisch: Der Chef des Baseler Ausschusses liege gleich „doppelt falsch“. „Erstens fährt der Notenbanker einen abenteuerlichen Zickzackkurs. Noch vor wenigen Wochen lobte er den Kompromiss mit den Übergangsfristen bis 2018. Nun will er diese Fristen praktisch aushebeln“, heißt es. Auch inhaltlich gehe Wellink zu weit, denn der Baseler Ausschuss fungiere als Regelsetzer, der den Banken quasi zu erreichende Ziele vorschreibt. Die Aufseher sollten es den Banken überlassen, wie sie die vorgegebenen Ziele erreichen, rät die FTD.

 


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