Warum Josef Ackermann Angst vor einem Basel III-Wettlauf hat

27. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

regulierungIm Rahmen der „Zeit“-Finanzplatzkonferenz hat Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann in dringlichem Ton vor einem Wettlauf der Geldinstitute um die schnellste Erfüllung der Basel III-Vorgaben gewarnt.
Die FAZ sieht ihn daraufhin vor „übereifrigen Banken“ warnen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ erkennt, dass der Deutsche Bank-Chef konkret argwöhne, „dass ‚Musterknaben’ die neuen Regeln möglichst schnell umsetzen wollen und dass Länder wie die Schweiz in ihren Heimmärkten striktere Regeln als Basel III einführen könnten, weil ihnen die Baseler Vorschriften zu wenig weit gehen“. Nach Meinung Ackermanns könne dies die Volkswirtschaft mehr belasten, als es aufgrund der neuen Eigenkapitalanforderungen für Banken der Fall wäre. Hintergrund könnte hier das jüngste Vorpreschen des Chefs der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, sein, der einen Eigenkapitalzuschlag für die UK-Banken anvisiert (vgl. RMRG vom 23.9.). Deutschland gehört laut Ackermann nicht zu den von ihm kritisierten „Musterknaben“. „Deutschland hat sich da sehr vernünftig verhalten“, lobte er den anwesenden Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Auch in der Schweiz werden die Pläne für weitere Eigenkapitalzuschläge auf Basel III offenbar konkret. So sollen die Großbanken Credit Suisse und UBS nach Bericht der Schweizer „SonntagsZeitung“ zu einer Kernkapitalquote von zwölf Prozent verpflichtet werden. Das wären 2,5 bis fünf Prozentpunkte mehr, als ihre ausländischen Konkurrenten nach den Basel III-Regeln vorhalten müssen, erklärt die Nachrichtenagentur Reuters (Stichwort: „Swiss Finish“). Eine Expertengruppe werde dem Finanzministerium am Donnerstag entsprechende Vorschläge machen, so die Zeitung unter Berufung auf Kreise. Die Regierung werde den Bericht der Kommission am Freitag diskutieren.

Diese Bestrebungen zum „Finishing“ der Basel III-Eigenkapitalregeln auf nationaler Ebene erwecken den Eindruck, dass der erfolgreiche deutsche Widerstand im Baseler Ausschuss, der maßgeblich zum letztendlich eingegangenen Kompromiss führte, sich am Ende als Pyrrhus-Sieg erweisen könnte. Die Aufseher in den USA, Großbritannien und der Schweiz hatten nach Publikation des Konsens durchblicken lassen, dass sie sich am Punkt der Mindesteigenkapitalquoten eine höhere Maßgabe erwartet hätten. Gerade beim vergleichenden Blick der Marktakteure auf Kapitalisierung und Stabilität internationaler Großbanken wird erfahrungsgemäß das strikteste Regelwerk als Gradmesser angelegt. Beleg ist die Tatsache, dass Analysten bereits vor Veröffentlichung der Basel III-Regularien, durchgedrungene Vermutungen und Informationen als Maßstab zur Evaluierung der Bankenkapitalisierung genutzt haben.

Nur allzu verständlich erscheinen dabei Ackermanns Ängste vor einem Basel III-Wettlauf – wo sein Institut doch zudem die Übernahme der Postbank kapitalseitig zu stemmen hat. Dabei erscheint nicht in erster Linie der Vergleich zu den Schweizer Großbanken bedrohlich – wird hier doch ohnehin schon seit Ende 2008 ein Aufschlag zu den Eigenkapitalregeln angewandt. Doch sollte nun auch die britische Konkurrenz die Erfüllung eines „British Finish“ von Basel III als Argument am Kapitalmarkt anführen können, würde ein Standard gesetzt, der für den deutschen Branchenprimus – zumindest mittelfristig – nur schwerlich erreichbar scheint.

 


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5 Kommentare
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  1. [...] RMRG: Warum Josef Ackermann Angst vor einem Basel III-Wettlauf hat [...]

  2. [...] Ein europäischer Alleingang bei der Implementierung schärferer Eigenkapitalregeln für Banken scheint immer unwahrscheinlicher. Bei einer Konferenz der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA am Montag in Wien hat EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier die Bankenbranche mit beruhigenden Worten adressiert: „Sie haben ein Anrecht auf gleiche Rechte dies- und jenseits des Atlantiks.“ Es sei nötig, „parallel“ mit den Amerikanern vorzugehen, und die Maßnahmen müssten „mit gutem Augenmaß“ umgesetzt werden, gibt die „Wiener Zeitung“ die Aussagen wieder. Barnier versicherte, dass die EU sehr genau darauf achten werde, dass Basel III auch in den USA gelte. Auch Österreichs Finanzminister Josef Pröll betonte auf der Konferenz: „Basel III muss für alle gelten.“ Der Generaldirektor der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walther Rothensteiner, äußerte sich auf der Wiener Konferenz dahingehend, dass die langen Übergangsfristen zur Umsetzung von Basel III nur „eine theoretische Sache“ seien. Der Markt habe seine eigenen Spielregeln. Wer die Kapital- und Finanzmärkte kenne, wisse, dass die Marktteilnehmer schauten, wer jetzt schon habe, was in sechs Jahren vorgeschrieben sei, sagte Rothensteiner. „Das ist dann der attraktive Geschäftspartner. Wir werden relativ schnell unter Druck kommen, uns diesen Werten anzunähern, die in drei, vier oder acht Jahren vorgeschrieben sind“, so die Prognose des Bankers. Erst jüngst hatte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vor einem Wettlauf um die schnellste Erfüllung der Basel III-Vorgaben gewarnt (vgl. RMRG vom 27.9.). [...]

  3. [...] vorpreschen, die Märkte von den Mitbewerbern verlangen könnten, nachzuziehen“, heißt es (vgl. RMRG vom 27.9.). Die Frankfurter Rundschau sieht den Bankenplatz Schweiz nun als „sicheren Hafen in den [...]

  4. [...] möglichst schnell umsetzen wollen. Dies könne die Volkswirtschaften übergebühr belasten (vgl. RMRG vom 27.9.). Im Rahmen der aktuellen Quartalszahlenveröffentlichung vollzieht Ackermann jedoch eine [...]

  5. [...] Die Implementierungsphase für schärfere Eigenkapitalregeln ist lang gestreckt – dennoch wirkt Basel III schon als Maßstab bei der Bewertung der Stärke von Banken. Die Institute kommen diesen Anforderungen bei ihrer Außenkommunikation bereits nach – selbst absehbare nationale Sonderregelungen bei der Umsetzung, die die Kriterien der Investoren weiter nach oben schrauben könnten, sind im Bewusstsein der Marktakteure bereits präsent. So weist auch Patrick Raaflaub, Chef der Schweizer Finanzaufsicht Finma, im Interview mit dem „Tagesspiegel“ überzogene Einwände zurück, wonach nationale Sonderregeln für Banken zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten. Zwar sei auch die Schweiz bemüht, solche Effekte zu vermeiden – dennoch: „Unser Auftrag als Aufsicht ist aber, zur Stabilität der Institute und der Funktionsfähigkeit des Finanzplatzes und damit zum Schutz der Gläubiger und Einleger beizutragen.“ Angesprochen auf die jüngst von IIF-Chairman und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vorgebrachten Warnungen vor über Basel III hinausgehenden Kapitalanforderungen, erklärt der Aufseher: „Zu bedenken ist [...], dass stabile und gut kapitalisierte Institute Wettbewerbsvorteile haben.“ In indirekter Anspielung auf vorhergehende Aussagen Ackermanns führt Raaflaub weiter aus: „Es gibt deshalb Stimmen, die sagen, dass es bei der Umsetzung von Basel III zu einem Wettlauf der Institute kommen könnte. Sollte das so sein, kommt das unseren Zielen als Aufsicht und wohl auch den Interessen der unfreiwillig haftenden Steuerzahler entgegen.“ (vgl. RMRG vom 27.9.) [...]