Basel III-Umsetzung: Kein EU-Alleingang – Übergangsfristen werden vom Markt ignoriert

29. September 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselokayEin europäischer Alleingang bei der Implementierung schärferer Eigenkapitalregeln für Banken scheint immer unwahrscheinlicher.
Bei einer Konferenz der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA am Montag in Wien hat EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier die Bankenbranche mit beruhigenden Worten adressiert: „Sie haben ein Anrecht auf gleiche Rechte dies- und jenseits des Atlantiks.“ Es sei nötig, „parallel“ mit den Amerikanern vorzugehen, und die Maßnahmen müssten „mit gutem Augenmaß“ umgesetzt werden, gibt die „Wiener Zeitung“ die Aussagen wieder. Barnier versicherte, dass die EU sehr genau darauf achten werde, dass Basel III auch in den USA gelte. Auch Österreichs Finanzminister Josef Pröll betonte auf der Konferenz: „Basel III muss für alle gelten.“ Der Generaldirektor der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walther Rothensteiner, äußerte sich auf der Wiener Konferenz dahingehend, dass die langen Übergangsfristen zur Umsetzung von Basel III nur „eine theoretische Sache“ seien. Der Markt habe seine eigenen Spielregeln. Wer die Kapital- und Finanzmärkte kenne, wisse, dass die Marktteilnehmer schauten, wer jetzt schon habe, was in sechs Jahren vorgeschrieben sei, sagte Rothensteiner. „Das ist dann der attraktive Geschäftspartner. Wir werden relativ schnell unter Druck kommen, uns diesen Werten anzunähern, die in drei, vier oder acht Jahren vorgeschrieben sind“, so die Prognose des Bankers. Erst jüngst hatte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vor einem Wettlauf um die schnellste Erfüllung der Basel III-Vorgaben gewarnt (vgl. RMRG vom 27.9.).

Dramatische Worte wählte das EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny im Rahmen der FMA-Konferenz und prognostizierte für die Zukunft einen „Rüstungswettlauf“ der Aufseher mit den Finanzmärkten. Die Märkte werden nach Meinung des Gouverneurs der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) immer komplexer, die Regulatoren brauchen immer mehr „Manpower“ und mehr Kompetenzen. Er mahnte: Selbst mit einer „Armee von Aufsehern“ könne man Krisen nicht verhindern. Dagegen merkte RZB-Vormann Rothensteiner an, dass die neuen EU-Finanzmarktaufsichten sich wie jede neue Behörde erst beweisen wollen würden – und daher anfangs zu streng agieren könnten (weitere Quellen: boerse-express, Der Standard, Die Presse).

 


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