Weber und Trichet loben Basel III / Systemrelevante Banken rücken in den Fokus

1. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Top News

aufsichtkurve„Ich habe keine Angst, dass die Implementierung von Basel III die Kreditvergabekapazität von Banken signifikant beeinträchtigen und den wirtschaftlichen Aufschwung behindern wird“, so die Einschätzung von Bundesbank-Chef Axel Weber.
Auswirkungsstudien des Baseler Ausschusses und des FSB hätten gezeigt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen in der Übergangsphase zu Basel III moderat sein dürften und das Regelwerk positive Langfristeffekte bewirke. Weber unterstrich zudem die Bedeutung einer globalen Implementierung von Basel III. „Nur so könnten gleiche Wettbewerbsbedingungen gesichert und regulatorische Arbitrage verhindert werden“, fasst die Börsen-Zeitung die Aussagen zusammen. Auf dem Eurofi Financial Forum in Brüssel unterstrich Weber zudem die Bedeutung der regulatorischen Adressierung des Risikos systemrelevanter Banken – hier sei auch ein starkes politisches Engagement gefordert.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat unterdessen das Basel III-Regelwerk als ausgewogen gelobt – jedoch weitergehende Regeln für systemisch wichtige Banken gefordert. „Unsere Vereinbarung trifft die richtige Balance zwischen dem Ziel, die Belastbarkeit des Finanzsystems zu stärken, und der Notwendigkeit, übermäßig harte Auswirkungen auf nationale Bankensysteme zu verhindern“, so Trichet am Mittwoch. „Es ist äußerst wichtig, dass Mechanismen entwickelt werden, die die Schock-Absorptionsfähigkeit der systemisch wichtigen Banken erhöhen und dadurch deren Beitrag zum Systemrisiko senken“, so die Forderung des EZB-Präsidenten.

Indes hat sich Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler dafür ausgesprochen, die Entwicklung der Aufsichtsregeln für systemrelevante Banken flexibel auf nationale Besonderheiten ausrichten zu können. So seien schon aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit die in machen Staaten geplanten Bankenabgaben einzubeziehen. Zeitler bezeichnet auf einer Konferenz in Düsseldorf dabei eine „gewisse Unschärfe“ bei der Einstufung als systemrelevant für durchaus sinnvoll. Die Krise habe gezeigt, dass Ex-ante-Annahmen über Systemrelevanz in besonderen Marktsituationen zu korrigieren waren.

FSB hat Basel III-Aufschlag für Großbanken fest im Visier

Das Financial Stability Board (FSB) hatte im Anschluss an seine jüngste Sitzung bereits deutlich gemacht, dass systemrelevante Großbanken künftig zusätzliche Risikopuffer über Basel III hinaus benötigen. „Über diese Einschätzung herrscht Konsensus innerhalb des FSB, jetzt arbeiten wir daran, dies umzusetzen“, wird Mario Draghi, Chef der italienischen Notenbank und Vorsitzender des FSB, vom Handelsblatt zitiert. Demnach seien hier drei Ansätze in der Diskussion: Erste Möglichkeit sei eine höhere Mindesteigenkapitalquote für Großbanken – als zweite Option sieht das FSB die Einführung des so genannten „Contingent Capital“. „Darunter lässt sich eine versicherungstechnische Rückstellung in der Bilanz verstehen, die bei bestimmten Krisenereignissen aufgelöst werden muss“, erklärt das Handelsblatt. Zudem ist auch die Umwandlung bestimmter Schuldtitel in Eigenkapital angedacht. „Hierbei geht es um die Frage, wie auch Kreditgläubiger von Großbanken an den Krisenkosten beteiligt werden können“, so FSB-Generalsekretär Sven Andresen. Banken müssten dann Wandelanleihen emittieren, die im Krisenfall in Aktien und damit in haftendes Eigenkapital umwandelbar sind. Nach Aussage Draghis werden die Ansätze zwei und drei derzeit vom Baseler Ausschuss auf ihre Umsetzbarkeit geprüft (weitere Quellen: Reuters, Dow Jones Newswires).

 


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