„Swiss Finish“ von Basel III erhöht Regulierungsdruck

6. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Top News

swissfinishDie Vorlage einer vom Schweizer Bundesrat eingesetzten Expertenkommission zur Adressierung des „too big to fail“-Dilemmas im dortigen Bankensektor steht im Mittelpunkt der Berichterstattung der Wirtschaftspresse.
„Hoher Kapitalaufschlag für Schweizer Banken“, erkennt die Börsen-Zeitung auf ihrer Titelseite – und das Handelsblatt konstatiert: „Schweizer verschärfen Bankregeln“. Indes sieht die Financial Times Deutschland die Schweiz ein „Projekt 19“ starten. Hintergrund: Die Großbanken sollen den Plänen zufolge künftig eine Eigenkapitalquote von 19 Prozent aufweisen – klar mehr als durch Basel III gefordert. Von den 19 Prozent müssen zehn Prozent in hartem Eigenkapital vorgehalten werden. Für die restlichen neun Prozent können UBS und Credit Suisse bestimmte Pflichtwandelanleihen ausgeben. Diese Anleihen werden beim Unterschreiten vorher festgelegter Eigenkapitalquoten automatisch in Eigenkapital gewandelt. Die Schweizer Finanzaufsicht (Finma) und die Notenbank (SNB) fordern von der Regierung, dass die Vorschläge der Kommission komplett und rasch umgesetzt werden. Die Abhängigkeit der Volkswirtschaft der Schweiz von den beiden großen Banken werde durch die geforderten Schritte sinken.

Thomas Jordan, Vizepräsident der SNB, wird im Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ gefragt, warum das „Swiss Finish“ von Basel III, bezogen auf die Eigenmittelanforderungen, so hoch ausgefallen ist. Jordan erklärt: „Wir haben in der Schweiz mit dem ‚too big to fail’-Thema ein besonderes Problem, und das nun vorgestellte Paket soll wesentlich zu dessen Entschärfung beitragen. Wir sind dem Privatsektor wie dem Staat gegenüber dazu verpflichtet, es wäre verantwortungslos, weniger zu tun.“ Die Banken beziehungsweise die Aktionäre der Banken müssten in Zukunft mehr Risiken selber tragen. „Wer in diese Firmen investiert, soll auch mittragen, wenn die Bank wirtschaftliche Misserfolge erleidet. Es soll nicht der Steuerzahler oder die öffentliche Hand einspringen müssen. Das sind die Grundregeln einer Marktwirtschaft“, betont Jordan.

In einer Analyse sieht die „Berliner Zeitung“ die Schweizer Banken mit dem gewachsenen Risikopuffer durch das Basel III-„Finish“ ein Verkaufsargument für ihre teuren Dienste gewinnen: „Internationale Anleger können zwar nicht mehr vor den Steuerbehörden ihrer Heimat in die Schweiz flüchten. Doch bietet die Alpenrepublik ihnen künftig ein besonders sicheres Umfeld für ihr Geld.“ Diesen Konkurrenzvorteil sehe man in Deutschland nicht so gern. „Dort schüren die Pläne des Alpenstaates die Sorgen der Branche vor einem Überbietungswettbewerb. So hatte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bereits vor Wochen davor gewarnt, dass, sollte ein Marktteilnehmer mit höheren Kernkapitalquoten vorpreschen, die Märkte von den Mitbewerbern verlangen könnten, nachzuziehen“, heißt es (vgl. RMRG vom 27.9.). Die Frankfurter Rundschau sieht den Bankenplatz Schweiz nun als „sicheren Hafen in den Bergen“.

 


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