Vergeblicher Kampf der deutschen Banken gegen Basel III

14. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselokayDie Ausgestaltung der neuen Basel III-Regeln und die Diskussion über einen weiteren regulatorischen Eigenkapitalzuschlag für systemrelevante Banken treiben die deutsche Bankenbranche weiter um.
Der „Platow Brief“ berichtet über einen vermeintlichen Eklat beim Treffen von Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, Bundesbank-Präsident Axel Weber und BaFin-Chef Jochen Sanio mit Vertretern der deutschen Bankenbranche im Rahmen der IWF-Jahrestagung in Washington. Auslöser sei eine erhitzte Diskussion um die Bankenregulierung gewesen sein. Bei den Instituten habe sich mittlerweile „reichlich Unmut“ aufgestaut – denn: „Die Baseler Beschlüsse [...] liegen den Bankern schon schwer genug im Magen, da überbietet sich die Politik bereits mit Vorschlägen für zusätzliche Belastungen der Finanzinstitute: Bankenabgabe, Transaktionssteuer, zusätzliche Kapitalpuffer für systemrelevante Institute, eventuell verkürzte Fristen für die Einführung von Basel III sowie die Ankündigung der Amerikaner, die neuen Eigenkapitalstandards nur für ihre internationalen Großbanken vorzuschreiben, nicht jedoch für die Regionalinstitute in den USA.“ Die Einwände seien jedoch auf taube Ohren gestoßen. Asmussen und Sanio hätten keinen Zweifel daran gelassen, „dass an Basel III nicht mehr zu rütteln sei und in der EU flächendeckend für alle Institute eingeführt werde“. Ein übereilter Abgang Asmussens aus der langwierigen Diskussion sei von einigen Bankern als „Affront“ verstanden worden. Der „Platow Brief“ spricht gar von einer „gespenstischen“ Veranstaltung.

Indes warnt Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), im Interview mit der „Zeit“ wiederholt vor negativen Folgen von Basel III: „Was jetzt geplant ist, belastet aber vor allem das traditionelle Kreditgeschäft.“ Grund sei, dass Banken nun für ihre Risiken Eigenkapital vorhalten müssen, die nach den Baseler Regeln unterschiedliches Gewicht hätten. Kredite an Staaten, andere Banken ebenso wie Wertpapiere mit der Top-Bonitätsnote würden deutlich niedriger gewichtet als Kredite an Privatkunden, kleine Gewerbetreibende und Unternehmen. Konkret bedeute dies: „Für einen Kredit von 100 Euro an ein Unternehmen muss eine Bank [...] 8 Euro Eigenkapital vorhalten, für den gleichen Kredit an eine andere Bank wären es 1,60 Euro. Für die Wertpapiere mit Top-Bonität braucht eine Bank überhaupt kein Kapital zurückzulegen.“ Damit seien Kredite an Unternehmen im Vergleich zu Kapitalmarktgeschäften benachteiligt.

Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, bewertet in einem Interview mit der „Basler Zeitung“ diese Risikogewichtung der Bankaktiva in Basel III grundsätzlich skeptisch. Er tendiere zu der Position, dass man auf die Risikogewichtung vollständig verzichten solle. „Die Vorstellung, dass wir Risiken messen können, ist eine Illusion. Da hat man es mit Korrelationen zu tun, die nicht mit einem stationären Verteilungsmodell zu messen sind und die sich im Zeitablauf dauernd verändern. In den quantitativen Modellen wird eine Superpräzision suggeriert, die am Ende illusorisch ist.“ Zwar sei die Verwendung der Risikomodelle nützlich, weil sie die Banken zwingt, Risiken zu beachten, aber sie wäre problematisch, „wenn die Banken fast ausschließlich darauf abstellen, etwa in der internen Steuerung, der Festlegung der Unternehmensstrategie oder der Höhe des Eigenkapitals“, so Hellwig.

 


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