Basel III: Moody’s sieht Schrumpfkur für deutsche Banken / Ausnahme für Genossen?

18. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3_2Die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank sowie Landesbanken müssen möglicherweise weniger Liquidität für Krisenzeiten vorhalten als andere deutsche Institute.
„Bankgenossen winken Vorteile bei Basel III“, erkennt die Financial Times Deutschland. Hintergrund sind mögliche Sonderregeln für Verbundbanken im Zuge der Verhandlungen im Baseler Ausschuss zu neuen Liquiditätsvorgaben unter Basel III. Die nächste Sitzung des Gremiums ist für den morgigen Tag anberaumt. Dem Bericht zufolge haben mehrere Länder, „darunter Deutschland, Frankreich, Brasilien, Italien und Japan“, ein Diskussionspapier erarbeitet, wonach „weltweit für Spitzeninstitute, die in Verbünden agieren, laxere Liquiditätsregeln gelten sollen als für andere Banken“. So könnte es erlaubt sein, einen geringeren Mittelabfluss in Krisenzeiten zu unterstellen als anderen Banken. In Analyse der Formulierung des Papiers merkt die FTD an, dass offenbar auch die deutschen Landesbanken von der vorgeschlagenen Sonderregelung profitieren könnten. Grund: „Sie fungieren als Zentralbanken der Sparkassen, mit denen sie im Verbund organisiert sind.“

Indes kommt eine Analyse der Ratingagentur Moody’s zu den Effekten des Basel III-Regelwerks auf den deutschen Bankensektor zu einem beunruhigendem Fazit – so zumindest der Tenor der Wirtschaftspresse. „Basel III lässt deutsche Banken schrumpfen“, titelt die Börsen-Zeitung – und die Financial Times Deutschland erkennt „Moody’s sieht deutsche Banken in schwerer See“. Das Handelsblatt notiert: „Moody’s zeichnet düsteres Bild für deutsche Banken“. Demnach geht die Ratingagentur davon aus, dass Basel III die hiesigen Institute zur Verkürzung ihrer Bilanz zwingt. „Mit einbehaltenen Gewinnen allein jedenfalls lässt sich der Mehrbedarf an Kapital infolge der neuen Regeln nicht decken“, fasst die Börsen-Zeitung die Aussagen zusammen. Die meisten Banken müssten restrukturieren bzw. schrumpfen, um die Vorgaben für die Eigenkapitalquote zu erfüllen, erklärte Katharina Barten, Senior Credit Officer der Financial Institutions Group bei Moody’s.

Moody’s räumt jedoch ein, dass die deutschen Banken infolge von Rettungsaktionen und der Reduktion risikogewichteter Aktiva schon große Fortschritte gemacht hätten, was die Wiederherstellung ihrer Kapitalquoten angehe. „Die Qualität der Eigenmittel aber sei schwach“, heißt es im Beitrag der Börsen-Zeitung. So sei das Gewicht hybrider Kapitalanteile in der Branche durch die staatlichen Stützungsmaßnahmen erhöht worden. „Allein bei Deutsche Bank, Commerzbank, UniCredit und Postbank sowie bei den Landesbanken BayernLB, LBBW, Nord/LB, Helaba und WestLB entfielen Ende vergangenen Jahres 54 Mrd. Euro im Tier-1-Kapital auf Hybride“, laute die Rechnung von Moody’s. Auch der Verschuldungshebel deutscher Banken, „der im westeuropäischen Bankensystem nirgends so hoch liege“, wird kritisch bewertet.

 


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