Konsolidierungswelle unter Versicherern durch Solvency II?

2. November 2010 | Von | Kategorie: Top News

solvency2Die Ratingagentur Moody’s und Branchenexperten sehen schwere Zeiten auf die Versicherer zukommen: Grund sind die neuen Eigenkapitalvorschriften für die Assekuranz.
Analog zu Basel III im Bankensektor muss auch die Versicherungswirtschaft im Rahmen der neuen Solvency II-Regelungen künftig stärker das Risiko der Geschäfte berücksichtigen. Nach Ansicht der Moody’s-Experten erhöhten diese Vorgaben zwar die Bonität der Unternehmen, würden aber gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit vor allem kleinerer Versicherer beeinträchtigen. So würden Experten schon länger betonen, dass gerade kleinere Gesellschaften mit der Einführung des komplizierten Regelwerks schlichtweg überfordert sein dürften. Die Konsequenz wäre, dass sich die kleineren Unternehmen zunehmend zur „leichten Beute“ für die großen, kapitalstärkeren Gesellschaften entwickelten.

Auch der ehemalige Finanzchef der Allianz, Helmut Perlet, prognostiziert einen klaren Trend zur Marktkonsolidierung unter den Versicherungsgesellschaften. „Interne Risikomodelle zur Berechnung des Kapitalbedarfs seien sehr teuer, viele Kleine könnten sie nicht stemmen – sie nutzten das Standardmodell und bräuchten dafür mehr Kapital“, gibt die Financial Times Deutschland auf ihrem Online-Portal seine Einschätzungen wieder. „Es kommt zu einer Eigenkapitalverminderung, das wir die Konsolidierung mit Sicherheit befördern“, so Perlet auf einer Veranstaltung der Fachhochschule Köln. „Neue Regeln spalten die Assekuranz“, konstatierte jüngst gar das Anlegerblatt „Börse Online“. Kleine und mittelgroße Versicherer hätten die Sorge, infolge Solvency II „von den Branchengrößen an die Wand gedrückt zu werden“. „Die Allianz sieht Solvency II als Mittel zur Konsolidierung, dabei sollte das doch ausdrücklich nicht Zweck des Modells sein“, so etwa der Vorwurf von Michael Baumeister, Vorsitzender des Vorstands der Gartenbau-Versicherung VVaG.

Ex-Allianz-CFO Perlet trat zudem einem von der Assekuranz oftmals angeführten Argument entgegen, wonach man Banken und Versicherer nicht in einen Topf werfen dürfe, wenn es um künftige Regulierung, Eigenkapitalregeln und Risikomessung geht. „Man muss aber auch zugestehen, dass die Versicherer in gewissem Rahmen von den staatlichen Hilfsmaßnahmen profitiert haben. Wenn die Banken in die Knie gegangen wären, wären auch eine Reihe von Kapitalanlagen der Versicherer unter Wasser gewesen. Ich sage nur das Stichwort Hypo Real Estate und Pfandbriefe“, wird Perlet von FTD.de zitiert (weitere Quelle: boerse.ard.de).

 


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