Basel III-Wettlauf der Banken in vollem Gange / Eile kommt Zielen der Aufseher entgegen

10. November 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselwettlaufDie Implementierungsphase für schärfere Eigenkapitalregeln ist lang gestreckt – dennoch wirkt Basel III schon als Maßstab bei der Bewertung der Stärke von Banken.
Die Institute kommen diesen Anforderungen bei ihrer Außenkommunikation bereits nach – selbst absehbare nationale Sonderregelungen bei der Umsetzung, die die Kriterien der Investoren weiter nach oben schrauben könnten, sind im Bewusstsein der Marktakteure bereits präsent. So weist auch Patrick Raaflaub, Chef der Schweizer Finanzaufsicht Finma, im Interview mit dem „Tagesspiegel“ überzogene Einwände zurück, wonach nationale Sonderregeln für Banken zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten. Zwar sei auch die Schweiz bemüht, solche Effekte zu vermeiden – dennoch: „Unser Auftrag als Aufsicht ist aber, zur Stabilität der Institute und der Funktionsfähigkeit des Finanzplatzes und damit zum Schutz der Gläubiger und Einleger beizutragen.“ Angesprochen auf die jüngst von IIF-Chairman und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vorgebrachten Warnungen vor über Basel III hinausgehenden Kapitalanforderungen, erklärt der Aufseher: „Zu bedenken ist [...], dass stabile und gut kapitalisierte Institute Wettbewerbsvorteile haben.“ In indirekter Anspielung auf vorhergehende Aussagen Ackermanns führt Raaflaub weiter aus: „Es gibt deshalb Stimmen, die sagen, dass es bei der Umsetzung von Basel III zu einem Wettlauf der Institute kommen könnte. Sollte das so sein, kommt das unseren Zielen als Aufsicht und wohl auch den Interessen der unfreiwillig haftenden Steuerzahler entgegen.“ (vgl. RMRG vom 27.9.)

Das dieser Wettlauf der Banken um die schnellste Erfüllung der Basel III-Kriterien bereits im vollen Gange ist, belegt ein Blick auf den jüngsten Reigen der Präsentation von Quartalszahlen. Offensiv kommunizieren die Institute die eigene Kapitalisierung und legen dabei schon die Maßstäbe des dritten Baseler Eigenkapitalakkords an – oder geben zumindest einen Ausblick auf mögliche Effekte der Regularien. So sieht sich etwa die Commerzbank kapitalseitig „komfortabel“ aufgestellt. „Mit Blick auf Basel III berechnet die Commerzbank zukünftig auch die sogenannte Core-Tier-1-Kapitalquote; sie lag per Ende September bei 9,9 % und damit weit über der Zielbandbreite von 7% bis 8%“, heißt es im Zwischenbericht. Das Handelsblatt (online) merkt dazu an: „Wenn es eine wirklich erfreuliche Nachricht im Quartalsabschluss gibt, dann ist es der Umstand, dass die Commerzbank auch nach den neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III bestens kapitalisiert ist.“ Die Bank sei hier derzeit besser aufgestellt als die Deutsche Bank – ein Effekt der jedoch den Staatshilfen geschuldet ist, die unter Basel III voll angerechnet werden.

Indes teilte der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank mit, dass man auch ohne staatliches Kapital die strengeren Eigenkapitalregeln nach Basel III erfüllen könne. Wann die gewährten Hilfen jedoch abgelöst werden, blieb offen. Der Vorstandsvorsitzende der Helaba, Hans Dieter Brenner, äußerte sich im Rahmen der Zahlenpräsentation der Landesbank schon zu den Effekten von Basel III auf das künftige Neugeschäft: „Wir werden kein Neugeschäft akquirieren, das nicht risikoorientiert bepreist ist, auch wenn einige aus der Krise auf den Markt zurückgekehrte Wettbewerber die Margen bereits wieder deutlich gedrückt haben. Angesichts der mit Basel III unvermeidbar verbundenen Erhöhung der Eigenkapitalkosten halte ich dies für ein mehr als unverständliches Geschäftsgebaren.“

Französische und britische Banken sehen sich bestens vorbereitet

Auch die französische Großbank BNP Paribas thematisiert die Auswirkungen von Basel III. Im Rahmen der neuen internationalen Bankenregeln rechnet man mit „deutlichen, jedoch händelbaren Einflüssen auf die risikogewichteten Aktiva der Gruppe“. CEO Baudouin Prot versicherte den Anlegern erneut, dass seine Bank ohne Kapitalerhöhung über genug Mittel verfüge, um die neuen Eigenkapitalvorgaben zu erreichen. Fast wortgleich meldete sich Société Générale-Chef Frederic Oudea zu Wort. Er kündigte an, seine Bank werde kein Kapital zur Erfüllung der Vorgaben nach Basel III aufnehmen müssen: „Ich kann das ausschließen, weil wir gute Ergebnisaussichten haben.“

Ähnlicher Tenor bei der britischen Konkurrenz: Mit Blick auf Basel III sieht sich die britische Großbank Lloyds nach wie vor „gut positioniert“, die Regularien erfüllen zu können. Das Kernkapital soll bis 2015 auf sechs Prozent von derzeit vier Prozent der risikogewichteten Aktiva steigen. Lloyds erklärte weiter, man arbeite weiter an einer Verkleinerung der Bilanz. Selbst die verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) sieht sich mit einer derzeitigen Kernkapitalquote von 10,2 Prozent gut gerüstet. Der scheidende Chef der Großbank HSBC, Michael Geoghgan, begrüßte im Rahmen der Zahlenpräsentation die Pläne von Aufsehern und Politik, durch strengere Regeln die Risiken des Bankgeschäftes zu minimieren. Er machte aber deutlich, dass er es nicht für die richtige Lösung halte, Banken generell zu verkleinern. Er hält es satt dessen für den richtigen Weg, strengere Eigenkapitalregeln nach Risiken zu staffeln – wie es das Basel III-Abkommen vorsehe.

Das im Wettlauf um die Erfüllung der Kriterien von Basel III eine Kapitalerhöhung kein Malus sein muss, bewies jüngst schon die Deutsche Bank – quasi als Primus der Vorbereitung auf Basel III (vgl. RMRG vom 27.10.). Diesen Trend bestätigt aktuell auch die britische Großbank Standard Chartered, die ihre Kapitalerhöhung in Vorbereitung auf Basel III erfolgreich am Markt platzieren konnte. Die 3,26 Mrd. Pfund schwere Bezugsrechteemission sei zu 98,53% gezeichnet worden, teilte die Bank mit.

 


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