Basel III-Bewertung als neues Konfliktfeld zwischen Weber und Sanio

15. November 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3In der Bewertung der Auswirkung schärferer Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken tut sich ein Konflikt zwischen den deutschen Aufsehern auf.
Der Chef der Bundesbank, Axel Weber, hat die am Donnerstag von BaFin-Präsident Jochen Sanio gegenüber der Börsen-Zeitung geäußerte Kritik an Basel III relativiert. Das Argument, dass sich höhere Kosten durch zusätzliche Regulierung negativ auf die Kreditvergabe und damit das Wirtschaftswachstum auswirken könnten, beruhe auf einer Betrachtung, die weitgehend statisch und unvollständig sei: „Unvollständig, weil vernachlässigt wird, dass Banken neben einer Verringerung der Kreditvergabe auch andere Möglichkeiten haben, die zusätzlichen Anforderungen zu erfüllen; statisch, weil die positiven Rückwirkungen eines stabileren Finanzsystems weitgehend ausgeblendet werden“, wird Weber von der Nachrichtenagentur „Dow Jones Newswires“ zitiert.

Weber betonte in seiner „Keynote“-Rede zur „Euro Finance Week“ weiter, dass strengere Kapitalanforderungen die Banken stabiler machen würden, was sich in einer Verringerung ihrer Refinanzierungskosten niederschlagen dürfte. „Ein Teil der zusätzlichen Kosten kann also auf diesem Weg kompensiert werden“, so die Prognose des Bundesbankers. Gleichzeitig erspare eine Verringerung der Anzahl und Schwere zukünftiger Krisen dem Steuerzahler erhebliche Kosten und der gesamten Volkswirtschaft Wachstumseinbußen. „Aus diesen Gründen gehe ich nicht davon aus, dass die neuen Regeln die Realwirtschaft spürbar beeinträchtigen werden – zumal großzügige Übergangsfristen vereinbart wurden. Umfassende Studien des Basler Ausschusses stellen diese Einschätzung auf ein breites empirisches Fundament“, so Webers klare Aussage – konträr zu den Argumenten seines Aufsichtskollegen Sanio.

„Die Gefahr von Kreditrationierungen lässt sich nicht durch wissenschaftliche Klimmzüge ausschließen“, so die spitz formulierte Aussage Sanios, der selbst als Vertreter der deutschen Aufsicht im Baseler Gremium an der Beschlussfindung zu Basel III beteiligt war. Niemand wisse derzeit, „in welchem Marktumfeld die Banken das stark erhöhte Eigenkapitalniveau à la Basel III erreichen müssen“, so Sanio gegenüber der Börsen-Zeitung. Zudem hatte der BaFin-Chef auch die ergänzende Leverage Ratio in Basel III als möglichen Treiber neuerlicher Risiken im Finanzsektor kritisiert (vgl. RMRG v. 12.11.).

 


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