Risikoreiche Immobilienfinanzierungen als Effekt der Leverage Ratio? / Kritik an Liquiditätsvorgaben

26. November 2010 | Von | Kategorie: Top News

regulierungWichtige Teilkomponenten des neuen Regelwerks Basel III könnten nach Ansicht der Bankenbranche zu neuen Risikoexpositionen führen und langfristig ausgerichtete Finanzierungen erschweren.
In einer Sonderbeilage zum Thema Covered Bonds fasst die Financial Times Deutschland die Kritik der hiesigen Pfandbriefbanken an der Ausrichtung des Basel III-Regelwerks zusammen („Kritik am neuen Banken-ABC“). In erster Linie stören sich die Institute an der in Basel III verankerten Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio), die ab 2018 als verbindliche Kennziffer greifen soll. Das Blatt erklärt: „Um ihr derzeitiges Kreditvergabeniveau zu halten, müssten viele Banken ihr Kernkapital erhöhen. Das ist derzeit allerdings schwierig. So könnte die Leverage Ratio entweder dazu führen, dass Banken ihre Kreditvergabe einschränken. Oder jedoch dazu, dass sie Geld eher an risikoreiche Schuldner verleihen.“ Nur durch letztgenannte Vorgehensweise könnten die Banken höhere Margen erzielen, ohne mehr Kernkapital vorhalten zu müssen. Auch das traditionell volumenstarke Staatsfinanzierungsgeschäft sei durch die Quote gefährdet. „Mit einer Leverage Ratio von drei Prozent kann Staatsfinanzierung in ihrer jetzigen Form nicht betrieben werden“, wird Ralf Burmeister, Leiter des Covered Bond-Research der LBBW, zitiert. Der Pfandbriefbankenverband vdp hatte in letzter Zeit mehrfach verdeutlicht, dass er darauf dringen wolle, das die Leverage Ratio nur als unverbindliche Beobachtungskennziffer in Basel III greift (vgl. u.a. RMRG vom 12.11.).

Im zweiten Teil des Beitrags der FTD wird angemerkt, dass die deutschen Pfandbriefbanken auch die Liquiditätsvorgaben von Basel III kritisch beäugen. Um im Liquiditätspuffer angerechnet werden zu können, müssten die gedeckten Anleihen (Covered Bonds/Pfandbriefe) ihre Liquidität damit unter Beweis stellen, „dass die Spanne zwischen Angebotsund Nachfragepreis in den vergangenen zehn Jahren nie über 50 Basispunkten lag“, heißt es. Jedoch gebe es diese Belegdaten gar nicht für alle Einzelpapiere. „Das könnte dazu führen, dass Pfandbriefe und Covered Bonds letztlich doch nicht für den Liquiditätspuffer infrage kämen“, analysiert die Zeitung.

Auch Markus Beumer, verantwortlicher Commerzbank-Vorstand für die Mittelstandsbank des Instituts, erklärt in einem Interview mit der Börsen-Zeitung, dass er einen kritischen Bereich von Basel III in den Liquiditätsvorgaben sieht. Seiner Ansicht nach wird es mit diesen Regeln schwieriger, langfristige Kredite zu vergeben. „Nicht weil wir es nicht mehr wollen, sondern weil die neuen Regeln es deutlich erschweren werden“, betont Beumer. Hintergrund sei die künftig begrenzte Möglichkeit für Fristentransformationen. „Langfristige Kredite müssen die Banken 1:1 langfristig refinanzieren. So viel Finanzierung werden die Märkte nicht mehr hergeben. Da kann es passieren, dass die Kredite gerade in dem langen Laufzeitenband, auf das vor allem wegen des Mittelstands hierzulande 60% der Kredite entfallen, sinken“, erklärt der Commerzbank-Vorstand.

 


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