Gewinner und Verlierer des Basel III-Prozesses liegen dicht beieinander

3. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselokayDie Gewinner und Verlierer des Basel III-Prozesses unter den europäischen Banken liegen dicht beieinander – zumindest räumlich.
Nach Berechnung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) benötigt der Bankensektor des Alpenlandes infolge des Basel III-Regelwerks und anderen Bestimmungen bis 2019 rund 15 bis 18 Mrd. Euro an zusätzlichem Eigenkapital. „Österreichs Banken brauchen Kapital“, formuliert die Börsen-Zeitung knapp. Allein 10 Mrd. Euro dieses Bedarfs ergeben sich aus dem aufzubauenden „harten“ Eigenkapital (Core Tier 1) inklusive dem Ersatz der derzeit 5,4 Mrd. Euro an Staatshilfen (in Österreich Partizipationskapital genannt). „Um diese Kosten tragen zu können, [...] müssen die Institute jährlich bis zu etwa 1,5 Mrd. Euro zusätzliche Erträge generieren, nämlich dann, wenn Basel III schon innerhalb eines [...] dreijährigen Zeitraums umgesetzt werden muss“, berichtet „Der Standard“. Ein Szenario das mit Blick auf den bereits begonnenen Wettlauf um die schnellste Erfüllung der Vorgaben durchaus realistisch ist. Als Stellschrauben macht die OeNB informierten Kreisen zufolge entweder eine Anhebung der Zinsmarge oder die Effizienzsteigerung der Banken aus. Trotz der Forderung nach mehr Effizienz sieht die Zentralbank jedoch keinen Konsolidierungsbedarf im Bankensektor und spricht sich auch gegen eine Reduzierung der Aktiva bei den Instituten aus.

Presseberichten zufolge sieht die OeNB durch alle anstehenden Neuregulierungen für die Banken (Basel III, Einlagensicherungsprämie, Abschaffung der Staatsgarantie etc.) eine Wachstumsreduzierung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für einen Zeitraum von drei Jahren um jeweils 0,2 Prozentpunkte sieht. Basel III soll die Krisenresistenz von Banken deutlich erhöhen, so der Tenor bei der OeNB. Dieses Plus an Stabilität sei aber nicht umsonst zu haben. „Der langfristige Nutzen von mehr Stabilität übersteige die kurzfristigen Kosten allerdings deutlich. Und damit könne bei zukünftigen Krisen – was auch das erklärte Ziel sei – der Einsatz von Steuergeldern letztlich vermieden werden“, fasst die „Wiener Zeitung“ die Aussagen zusammen.

Indes ist der Bankensektor des Nachbarlandes Liechtenstein deutlich besser auf Basel III vorbereitet. „Basel III bringt für liechtensteinische Banken nichts Neues“, konstatiert die Zeitung „Liechtensteiner Volksblatt“. Denn die Banken lägen mit ihrer Eigenkapitalausstattung weit über den künftig geforderten Quoten. Mit 18,5 Prozent (LGT Group), 17,1 Prozent (Verwaltungs- und Privat-Bank AG) und 13,7 Prozent (Liechtensteinische Landesbank) für Ende 2009 übertreffen sie die Forderungen weit. „Liechtensteins Banken gehören zu den am besten kapitalisierten Banken in Europa und legen seit jeher großen Wert auf eine solide, aber auch hochwertige Eigenkapitalausstattung”, erklärt Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbands, zur Situation. Entsprechend begrüßt er auch die Einführung von Basel III: „Die liechtensteinischen Banken sind von einem international stabilen Finanzsystem und einem funktionierenden Interbankengeschäft abhängig. Insofern ist die Verschärfung der Eigenmittelvorschriften mit Basel III sehr zu begrüßen, da sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des weltweiten Finanzsystems leistet.“ (weitere Quellen: Die Presse, APA)

 


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