Novellierung der MaRisk vorgelegt

16. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Top News

mariskDie Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat gestern in einem Rundschreiben eine Neufassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) veröffentlicht.
Nach Aussage der Behörde sind in die Novellierung die im Zuge der Finanzkrise gewonnenen Erkenntnisse eingeflossen: So werden die Themen Liquiditätsrisiko, Risikokonzentration und bankinterne Stresstests neu adressiert. Grundlage bilden die entsprechenden Vorgaben der europäischen Bankenaufseher (CEBS). „Im Kern geht es darum, dass die Geschäftsführungen der Kreditinstitute eine nachhaltige Geschäftsstrategie festlegen müssen, in der die Ziele des Instituts sowie die Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung dargelegt werden müssen“, erklärt die Financial Times Deutschland zu den neuen Richtlinien. Diese Eckwerte müssten so konkret formuliert werden, dass sie „plausibel in die operative Unternehmensplanung überführt werden können“. Damit sieht man die Aufsicht verstärkt in die strategische Steuerung der Banken eingreifen. Auch die Börsen-Zeitung konstatiert: „BaFin nimmt sich Strategien der Banken vor“.

Interessant erscheint der teilweise Vorgriff der BaFin auf die Liquiditätsvorschriften, die vom Baseler Ausschuss entworfen worden sind. So müssen kapitalmarktorientierte Banken zur Überbrückung des kurzfristigen Refinanzierungsbedarfs von mindestens einer Woche neben Geldmitteln hochliquide Vermögensgegenstände vorhalten, „die jederzeit ohne signifikante Wertverluste in privaten Märkten liquidiert werden können und zentralbankfähig sind“. Burkhard Eckes, Experte bei PricewaterhouseCoopers (PwC), analysiert dazu in der Financial Times Deutschland: „Die Regelungen bevorzugen eindeutig bestimmte Produktklassen aufgrund ihres Liquiditätsgrades.“

Weiter geben die Aufseher der BaFin den kapitalmarktorientierten Banken auch neue Vorgaben für das bankinterne Stresstesting der Liquiditätsreserven an die Hand. So seien im Rahmen der Überprüfungen zum einen Stressszenarien zu betrachten, die auf institutseigenen Ursachen beruhen. Davon getrennt seien Szenarien zu betrachten, „die auf marktweite Ursachen zurückzuführen sind“. Ebenso ist eine kombinierte Anwendung beider Aspekte vorgeschrieben.

Für die institutseigenen Ursachen gibt die BaFin dabei folgende Mindestannahmen vor:

-Keine Verlängerung von unbesicherter Refinanzierung durch institutionelle Anleger mindestens innerhalb der ersten Woche des Stressszenarios
-Abzug eines Teils von Privatkundeneinlagen

Das Szenario das allgemeine Marktrisiken abbilden soll, wird mit folgenden Annahmen definiert:

-Allgemeiner Kursverfall von marktgängigen Vermögensgegenständen, insbesondere Wertpapieren
-Allgemeine Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen

Die neuen MaRisk treten ab sofort in Kraft. Um den Banken jedoch ausreichend Zeit zur Implementierung einzuräumen, müssen die neuen Anforderungen erst bis zum Ende 2011 vollumfänglich umgesetzt sein. Erst danach ist bei Nichteinhalten der Regeln mit aufsichtlichen Sanktionen zu rechnen.

Die vollständige Rundschreiben der BaFin zur Neufassung der MaRisk ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.bafin.de/cln_179/nn_722564/SharedDocs/Artikel/DE/Service/Meldungen/2010/meldung__101215__ba__marisk__neufassung.html?__nnn=true

 


Tags: , , , , , , , , , ,

Keine Kommentare möglich.