Basel III: Berater sehen große Herausforderungen für deutsche Banken

22. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselstudieBasel III verursacht bei den deutschen Banken einen Kapitalbedarf von 66 Mrd. Euro.
Dies geht aus einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) hervor, über deren Ergebnisse die Wirtschaftspresse aktuell berichtet. „Deutsche Banken brauchen 66 Mrd. Euro“, notiert die Börsen-Zeitung – das Handelsblatt erkennt: „Kreditinstituten fehlt noch viel Eigenkapital“. In Rückblick auf die Bankbilanzen Ende 2009 teilen die Berater mit, dass die deutschen Institute bei Anwendung von Basel III zu diesem Zeitpunkt nur eine Tier 1-Kernkapitalquote von 3,5 Prozent ausweisen hätten können. „Nur die Institute in der Schweiz hätten schlechter abgeschnitten. Europaweit wäre die Quote BCG zufolge von 10,8% auf 5,1% zusammengeschnurrt“, merkt die Börsen-Zeitung ergänzend an. Gerold Grasshoff, Autor der Studie, verdeutlicht, dass nach der jüngsten finalen Vorlage von Basel III nun auch die Effekte für die einzelnen Geschäftsbereiche einer Bank in den Fokus genommen werden könnten. In diesem Zusammenhang wird auf ein überraschendes Ergebnis der Untersuchung hingewiesen. So würden die regulatorischen Kosten in einzelnen Bereichen des Corporate Banking und auch des Retailgeschäfts ähnlich stark springen wie im Investment Banking. Als Grund führen die Experten an, „dass Risiken im Commercial Banking bereits gemäß Basel II weitaus stärker mit Eigenmitteln zu unterlegen waren als Exposures im Investment Banking“. „Eine Verdopplung des zu unterlegenden Kernkapitals treffe diesen Bereich daher in absolutem Ausmaß stärker als das Investment Banking“, fasst die Börsen-Zeitung weiter zusammen.

BCG gibt den Banken im Rahmen der aktuellen Studie auch Ratschläge an die Hand, wie den Basel III-Anforderungen am besten zu begegnen ist. So solle stärker auf die Steuerung der Risikokosten geachtet werden. „Schließlich ist dieser Aufwandsposten bei den Banken in Europa zwischen 2006 und 2009 von 126 Mrd. auf rund 400 Mrd. Euro explodiert, und zwar nicht nur infolge von Risikovorsorge, sondern mehr noch wegen in die Höhe schießender Kapitalkosten“, führt die Börsen-Zeitung zur Erklärung an. „Infolge von Basel III werden die Risiko und Kapitalkosten nicht wieder auf Vorkrisenniveau sinken, sondern ein signifikanter Kostenblock bleiben“, erklärt BCG-Studienautor Grasshoff. Die Steuerung der Risikokosten sei zum Faktor geworden, der über den Erfolg einer Bank entscheide, und mit Basel III dürfte ihre Bedeutung noch zunehmen, so die Meinung der Berater.

Für die Studie hat BCG alle großen deutschen Privat- und Regionalbanken sowie auch die großen europäischen Banken analysiert. Damit werden nach Aussage der Experten 98 Prozent der Marktkapitalisierung des europäischen Bankensektors abgebildet. Für diesen errechneten die Autoren der Studie einen Kapitalbedarf von etwa 275 Mrd. Euro.

 


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