Regulatoren wollen „Risikoappetit“ der Banker zügeln

28. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Top News

risiko2Die dem Risikoverhalten von Bankern zugrundeliegenden finanziellen Anreizstrukturen werden regulatorisch angegangen.
Mit einem gestern veröffentlichten Konsultationspapier will der Baseler Ausschuss nun auch die Vergütungssysteme in Banken regulatorisch adressieren. Spätestens seit den Verwerfungen der Finanzkrise gelten diese als ein entscheidender Faktor für den „Risikoappetit“ der Bankmanager, der sich direkt auf die Risikoexpositionen der Institute auswirkt. Mit den Regelvorschlägen sollen die Boni-Ausschüttungen künftig transparenter gestaltet werden. „Boni-Exzesse sollen transparenter werden“, formuliert die Financial Times Deutschland spitz – die Börsen-Zeitung notiert nüchtern: „Basel will Boni transparenter machen“. Den Vorgaben zufolge müssen die Finanzinstitute künftig nicht nur die Ziele und wesentlichen Merkmale ihrer Vergütungspraxis offenlegen, „sondern auch darstellen, wie ihre Vergütung Risiken Rechnung trägt, wie sich dies auf die Vergütung auswirkt, inwieweit variable Entgelte auf Führungsebene von Gewinnkomponenten abhängen, welche Kriterien außerdem über variable Vergütungsbestandteile entscheiden und wie sich diese in den vergangenen drei Jahren verändert haben“.

Die Börsen-Zeitung merkt in ihrem Bericht zur neuen Vorlage aus Basel an, dass die Banken künftig auch dokumentieren sollen, „wie viel sie insgesamt für feste und für variable Vergütungen bzw. garantierte Boni aufwenden und wie sie sicherstellen, dass die Entlohnung der mit Risiko und Compliance befassten Mitarbeiter einer Bank unabhängig ist von der Vergütung in den ihnen zur Überwachung unterstellten Geschäftsbereichen“. Das Papier des Baseler Gremiums, dessen Ideen auf die 3. Säule des Baseler Eigenkapitalakkords abziehlen, steht bis zum 25. Februar 2011 zur Konsultation.

In diesem Zusammenhang erscheint eine im Fachblatt „Long Range Planning“ aktuell veröffentlichte Studie sehr interessant: Darin versuchen die Experten Sayan Chatterjee, Robert M. Wiseman, Avi Fiegenbaum und Cynthia E. Devers ein neues Risikomanagement-Modell zu skizzieren, das auch offensive Wettbewerbsstrategien integriert. Dabei werden sowohl verhaltenswissenschaftliche als auch ökonomische Vorstellungen des Risikos einbezogen. Die Autoren beschreiben in ihrer Studie den effektiv austarierten „Risikoappetit“ als den entscheidenden Faktor für Wettbewerbsvorteile und somit den Erfolg eines Unternehmens. Weiter heißt es: „The model integrates framing effects of attainment discrepancy, transaction costs from implicit contracts theory and capital costs from finance theory. The proposed model suggests that continuous risk-taking by firms may help sustain competitive advantage and thus lower firm risk.“

Das Konsultationspapier des Baseler Ausschusses ist unter folgenden Link einsehbar: http://www.bis.org./publ/bcbs191.htm

Nähere Informationen zur Modell-Studie können unter folgendem Kontakt erfragt werden: t.dieterich@rmrg.de.

 


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