Basel III adressiert in erster Linie ein „Leverage-Problem“

5. Januar 2011 | Von | Kategorie: Top News

boezDie Börsen-Zeitung widmet sich in einem Special („Die Regulierung und die Folgen“) den einschneidenden Regeländerungen für die Finanzbranche im Jahr 2010 und blickt auf weitere Entwicklungen voraus.
So konstatiert das Blatt in seinem Hauptbeitrag: „Basel III soll den Spaß am Kasinospiel verderben“. Am Beispiel des neuen Eigenkapitalakkords sei das insgesamt intensivierte Regulierungstempo zu erkennen: „Obwohl die Komplexität gestiegen ist, verging zwischen ersten Vorschlägen und der jetzt vorliegenden Endfassung von Basel III nur ein Jahr, während an Basel II geschlagene fünf Jahre gearbeitet wurde.“ Für den Chef des regelsetzenden Baseler Ausschusses, Nout Wellink, sei Basel III in erster Linie „der Versuch einer regulatorischen Antwort auf das Leverage-Problem im Bankensektor“. Basel II sei eine Einladung zum Leverage gewesen. „Die Banken hätten die risikogewichtete Kapitalquotensystematik brav erfüllt, seien dabei aber ein enormes Leverage eingegangen und blind gegenüber Liquiditätsrisiken gewesen“, fasst das Blatt die Aussagen zusammen.

„Thesaurierung ist Trumpf“, so die Maßgabe der Börsen-Zeitung zu den Reaktionen der Banken auf das neue Regelwerk Basel III. „Anpassungsreaktionen der Banken und die kritische Überprüfung von Geschäftsmodellen sind unausweichlich“, heißt es als Fazit. Obwohl Basel III die Institute auf eine „harte Probe“ stelle, betont das Blatt: „Die Sorge, dass niedrigere Eigenkapitalrenditen zur dramatischen Erhöhung der Kapitalkosten führen, ist dennoch unbegründet. Mit der Anpassung des Leverage nach unten sinkt auch die im Markt von den Kapitalgebern geforderte Rendite.“

Unter der Überschrift „Systemrisikofaktor Refinanzierung“ konstatiert die Börsen-Zeitung jedoch, dass die Auswirkungen der Liquiditätsvorgaben von Basel III derzeit nur schwer abzuschätzen seien. Denn: „Da es an Erfahrung mit der Materie fehlt, haben sich die Baseler Regulatoren auf lange Übergangsfristen eingelassen, bevor 2015 und 2018 Liquiditätskennziffern eingeführt werden, welche die Refinanzierung der Banken stabiler machen sollen.“ Insbesondere die Frage der künftigen Investoren-Nachfrage für Bankanleihen sei unsicher. „[Basel III] wird die Banken zur Einhaltung einer kurzfristigen Liquiditätskennziffer (Liquidity Coverage Ratio) zwingen, für deren Erfüllung aber Bankanleihen nicht angerechnet werden, weil sie in Krisen nicht ausreichend liquide sind, wie man 2008 sehen konnte. In der Folge könnte die Nachfrage nach Bankanleihen durch die Kreditinstitute selber – und damit der bislang bedeutendsten Käufergruppe solcher Papiere – zurückgehen.“

 


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