Basel III könnte Unternehmensfinanzierung deutlich verteuern

30. September 2011 | Von | Kategorie: Top News

basel3Nach Analyse der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) werden negative Effekte der neuen Eigenkapitalregelwerke Basel III (für Banken) und Solvency II (für die Assekuranz) europäische Unternehmen härter treffen, als die in den USA beheimateten Firmen.
In dem Report unter dem Titel „Why Basel III and Solvency II Will Hurt Corporate Borrowing In Europe More Than In The U.S.” prognostizieren die Experten zusätzliche jährliche Kosten für europäische Firmen in Höhe von 30 bis 50 Milliarden Euro für die Kreditfinanzierung. Die Kosten in den USA dürften sich hingegen nur auf 6 bis 10 Milliarden Euro belaufen. „Dies stellt eine Zunahme von 10 Prozent bis 20 Prozent über den aktuellen Zinskosten für Unternehmensschuldner in Europa und USA dar, abhängig vom jeweiligen Return on Equity der Banken zwischen 8 Prozent und 15 Prozent“, teilt S&P mit. Als Ursache für diese Diskrepanz verweist die Ratingagentur auf die Tatsache, dass sich europäische Unternehmen traditionell stärker über Bankkredite refinanzierten – während US-Firmen stärker auf den Kapitalmarkt zurückgreifen würden.

Indes hat Stefano Pagliari vom International Centre for Financial Regulation (ICFR) die zahlreichen Basel III-Auswirkungsstudien einer vergleichenden Analyse unterzogen. In einem Diskussionspapier (Titel: „Was ist der Preis von Basel III?“) stellt der Experte die Ergebnisse vor. Auffällig sei, betont Pagliari, das viele Studien die Effekte der Regularien auf die Wirtschaft der Schwellenländer vernachlässigen. Denn diese Volkswirtschaften seien wiederum stark mit den Ökonomien der Industrienationen interdependent vernetzt – was die Basel III-Auswirkungen etwa in Deutschland oder den USA negativ verstärken könnte. Zudem weist der Autor auf seine Einschätzung hin, dass ein Großteil der so genannten „Impact-Studies“ zum Baseler Eigenkapitalakkord interessengesteuert sind und als „Munition“ in der politischen Auseinandersetzung um Basel III genutzt werden.

Nähere Informationen zu beiden genannten Studien können unter folgendem Kontakt erfragt werden: t.dieterich@rmrg.de

 


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