Deutsche Banken zoffen sich wegen neuer europäischer Aufsicht

20. August 2012 | Von | Kategorie: Top News

papers13Die Ende vergangener Woche bekannt gewordenen Informationen, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) als Hauptakteur der neuen Bankenaufsichtsstruktur in Europa auch kleinere und mittelgroße Institute überwachen soll, sorgt innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft für Streit.
Eigentlich vermuteten Experten und Beobachter, dass die EU-Kommission lediglich große und systemrelevante Banken dem Aufsichtsregime der EZB zuordnen werde. Vergangenen Freitag meldete dann das „Handelsblatt“, dass jedoch auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland künftig von der Zentralbank beaufsichtigt werden sollen. „Brüssel stärkt die Macht der EZB“, so das Fazit der Zeitung. Postwendend ist nun massive Kritik seitens des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) an diesem Vorhaben zu vernehmen. Hingegen äußerte sich der Privatbankenverband BdB wohlwollend zu den Plänen der EU-Kommission. Aufgrund dieser Diskrepanzen innerhalb der deutschen Bankenbranche macht die „Financial Times Deutschland“ auch den „Aufreger Bankenaufsicht“ aus.

Uwe Fröhlich, Präsident des BVR, moniert im Interview mit der Zeitung: „Wir fordern, dass nur systemrelevante, grenzüberschreitend tätige Banken zentral von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt werden. Es geht ja nicht nur um die Aufsicht, sondern auch darum, diese Banken im Krisenfall zu stützen und gegebenenfalls für eine kontrollierte Abwicklung zu sorgen. Es ergibt keinen Sinn, das auch für deutsche Genossenschaftsbanken zu fordern, die bereits über ein eigenes, funktionierendes Sicherungssystem verfügen.“ Auch Georg Fahrenschon, Präsident des DSGV, kritisiert die Pläne für eine EZB-Aufsicht über national und regional tätige Geldhäuser. „Eine zentrale europäische Aufsicht, die sich auf die Beaufsichtigung der größten europäischen systemrelevanten Kreditinstitute konzentriert, kann durchaus sinnvoll sein”, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ den Sparkassenchef.

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), vertritt hier eine grundlegend andere Position: „Für gleiches Geschäft, gleiche Risiken, und für alle Marktteilnehmer müssen die gleichen Aufsichtsregeln gelten und auch einheitlich angewandt werden. Die Krise der spanischen Sparkassen hat erneut gezeigt, dass nicht vorhergesagt werden kann, welche Gruppe von Instituten eine Gefahr für die Finanzmarktstabilität begründen kann.“ Und weiter: „Alle Kreditinstitute im Euroraum sollten der EZB-Aufsicht unterliegen, unabhängig von ihrer Größe. Ansonsten würden wir in der Europäischen Bankenaufsicht ein Zwei-Klassen-Recht einführen.“ (Quellen: Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 


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4 Kommentare
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  1. [...] RMRG: Deutsche Banken zoffen sich wegen neuer europäischer Aufsicht [...]

  2. [...] Streit der deutschen Kreditwirtschaft um die neue Struktur der europäischen Bankenaufsicht (vgl. RMRG vom 20.8.) könnte ein jetzt bekannt gewordenes Konzept des Privatbankenverbandes BdB für weitere [...]

  3. [...] Mit seinen Ausführungen stellt sich Dombret an die Seite der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die ihre Beaufsichtigung durch die EZB ablehnen. Nach Vorschlag der EU-Kommission sollen auch kleine und mittlere Finanzinstitute dem Aufsichtsregime der Zentralbank unterworfen werden – ein Plan, der beim Sparkassenverband DSGV und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) auf lautstarken Widerstand stieß (vgl. RMRG vom 20.8.). [...]

  4. [...] erkennbar – so berichteten wir über den „Zoff“ zwischen den Bankenverbänden (vgl. RMRG vom 20.8.) und die Parteinahme der Bundesbank in diesen Konflikt (vgl. RMRG vom 23.8.). Nachdem der [...]