Reputationsrisiko macht Banken zu schaffen

21. August 2012 | Von | Kategorie: Top News

reputationsrisikoDie gestiegene Bedeutung von Reputationsrisiken für Finanzinstitute wird beim Blick auf das verheerende Medienecho zu jüngsten Bankenskandalen mehr als deutlich. Immer neue Enthüllungen zum Fehlverhalten einzelner Bankangestellter und die entsprechenden Mängel bei der Risikoüberwachung der Institute färben negativ ab.
Jüngstes Beispiel ist die Schweizer Großbank UBS, der die Begünstigung von Steuerhinterziehung durch deutsche Anleger vorgeworfen wird. So sollen auf einer durch das Land Nordrhein-Westfalen angekauften Daten-CD auch Schulungsmaterialen der UBS zu finden sein, die den Tatbestand der Beihilfe zur Steuerhinterziehung erfüllen könnten. Die Medienresonanz auf diese Informationen können aus Sicht der Bank nur als verheerend bezeichnet werden. So titelte etwa die „Financial Times Deutschland“: „Steuerfahnder erwischen UBS“ (9.8.) – und die „Frankfurter Rundschau“ notierte: „Mit UBS in die fernöstliche Steueroase.“ (10.8.) Die Berichte lieferten zugleich deutschen Politikern Wahlkampfmunition – so warf der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel den Schweizer Banken „organisierte Kriminalität“ vor und forderte drastische Neuregulierungen der Bankenbranche. Mit ähnlichen Imageproblemen haben die Finanzinstitute zu kämpfen, die im Skandal um die Manipulationen des Interbankenzinses Libor verwickelt sind. Hier muss u.a. auch die Deutsche Bank mit negativen Schlagzeilen kämpfen. Meldungen, dass ein Institut von Staatsanwälten „vorgeladen“ wird oder im „Visier der Ermittler“ steht, belasten die Reputation der Geldhäuser in der Öffentlichkeit. Eine ähnliche Entwicklung ist aktuell auch im Zuge der Ermittlungen von US-Aufsehern zu Geldtransaktionen in den Iran zu beobachten. So konstatiert aktuell etwa die „Börsen-Zeitung“: „Iran-Geschäfte der Großbanken am Pranger“ – und sieht auch hier die Deutsche Bank im Fokus von Ermittlungen. Auch der Commerzbank drohe bei diesem Thema „Ungemach“.

Auffällig ist jedoch auch die bislang nur schwach ausgebildete Aufmerksamkeit von Analysten und Medien auf Reputationsrisiken. Bei vorgenannten Skandalen und Verfehlungen werden oftmals nur mögliche Rechtsrisiken und die entsprechende finanzielle Vorsorge der betroffenen Banken thematisiert. Das vor möglichen juristischen Auseinandersetzungen bereits das Image eines Instituts in Mitleidenschaft gezogen wird, kommt in der öffentlichen Betrachtung zu kurz. Dabei kann ein daraus resultierender Vertrauensverlust bei Investoren und Kunden ebenfalls massive finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich Thomas Kaiser, Director im Bereich Financial Risk Management, und Thilo Kasprowicz, Partner und Leiter Regulatory & Compliance bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, in einem Gastbeitrag der „Börsen-Zeitung“ mit dem Reputationsrisikomanagement der deutschen Banken. „Zum enormen Imageschaden in der Öffentlichkeit treten häufig manifeste finanzielle Auswirkungen zum Beispiel durch den Verlust von Kunden oder unmittelbare Sanktionszahlungen“, warnen die Autoren mit Bezug auf das Echo der Öffentlichkeit auf den Libor-Skandal.

KPMG hatte jüngst führende deutsche Banken befragt, um einen Überblick über den Stand des Managements und Controllings der Reputationsrisiken zu gewinnen und die Erkenntnisse in einer Studie zusammengefasst. Wie die Autoren schreiben, habe sich dabei herauskristallisiert, dass sich „zur notwendigen Abgrenzung des Reputationsrisikos von anderen Risikoarten … noch kein Marktstandard etabliert“ habe. „Immerhin hat die Mehrzahl der befragten Großbanken das Reputationsrisiko bereits als ‚wesentliche’ Risikoart – im Sinne der bankaufsichtlichen ‚Mindestanforderungen an das Risikomanagement’ (MaRisk) – eingestuft. Reputationsrisiken werden aber nicht überall in eine übergeordnete Geschäfts- und Risikostrategie ausdrücklich eingebunden“, konstatieren Kaiser und Kasprowicz.

Verwundert zeigen sich die KPMG-Experten auch aufgrund der Studienergebnisse, wonach bei der Hälfte der befragten Institut die Reputationsrisiken „nicht direkt in die aufsichtlich geforderten Stresstests“ einfließen, „was sich zum Teil jedoch aus ihrer Eigenschaft als Folgerisiken oder Auslöser für weitere Risikoarten“ erkläre. In ihrem Beitrag unterstreichen die Experten folgend, dass der Fokus beim Management der Reputationsrisiken gerade auf organisatorische Aspekte gelegt werden müsse. Die entsprechende Maßgabe lautet daher: „Es empfiehlt sich daher, einen systematischen Prozess zum Management und Controlling der Reputationsrisiken aufzubauen. Dieser kann sich an bestehenden Strukturen, Prozessen und Methoden zu operationellen Risiken orientieren und sollte einen Fokus auf Risikosteuerung haben. Im aktuellen Entwicklungsstadium sind Versuche einer modellhaften Quantifizierung wenig zielführend. Es geht zunächst eher um den Aufbau eines organisatorischen Rahmens und qualitative Instrumente der Identifikation und Steuerung. Dabei sind im Sinne einer Portfolio-Sicht auf die Geschäftsbereiche sowohl die Bank als Ganzes als auch Einzeltransaktionen und Veränderungsprozesse abzudecken.“

Festzuhalten bleibt, dass die aktuellen Bankenskandale erneut ein schlechtes Licht auf die Branche werfen und mühsam zurückgewonnenes Vertrauen wieder zerstören können. Jedoch sollte beachtet werden, dass in vielen Banken in dieser Hinsicht mittlerweile ein Umdenken eingesetzt hat. Die Ergebnisse dieses Umdenkens – das sich auch in Struktur und Methodik der Banken widerspiegeln muss – werden aber wohl erst in Zukunft zu erkennen sein.

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] Wie folgenreich sich Datenlecks und -diebstähle auf die betroffenen Unternehmen auswirken können, zeigen hierzulande die aktuellen Beispiele der Schweizer Banken UBS und Julius Bär. Vermutlich durch Insider waren Daten von deutschen Anlegern den Steuerbehörden zugetragen worden. Doch das Thema Informationssicherheit und Informationsrisikomanagement ist nicht nur ein Thema der Finanzbranche. Eine aktuell von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlichte Studie verdeutlicht, dass sich der durchschnittliche Wertverlust einer Unternehmensmarke infolge Datendiebstahl und -missbrauch zwischen 184 und 330 Mio. Dollar bewegt. So sorgten bereits viele Fälle von gestohlenen Nutzerdaten auf Onlineplattformen für große öffentliche Aufmerksamkeit – verwiesen sei etwa auf jüngste Probleme beim Cloud-Dienstleister Dropbox. Nach Ansicht der Experten wird dieses Risiko weiter zunehmen – allein schon der Tatsache geschuldet, dass Unternehmen immer größere Mengen von Kunden- und Mitarbeiterdaten speichern. Auch dürften die mit einem Datenmissbrauch verbundenen Reputationsrisiken steigen, da sich etwa Informationen über Datenlecks über das Internet schneller verbreiten und die Öffentlichkeit mittlerweile für dieses Thema sensibilisiert ist. In diesem Kontext berichteten wir vor kurzem über den problematischen Umgang der Banken mit ihren Reputationsrisiken (vgl. RMRG vom 21.8.). [...]