Mifid II gefährdet Offshore-Geschäft der Schweizer Banken

24. August 2012 | Von | Kategorie: Regulierung

schweizEine Umfrage der Branchenpublikation „Schweizer Bank“ unter den Geldhäusern des Alpenlandes hat die Herausforderungen bei der Erhaltung der Profitabilität des wichtigen Offshore-Geschäfts beleuchtet.
Überraschende Erkenntnis dabei: „Langfristig sind für [dieses Geschäft] weder die anhaltend lang und breit diskutierten bilateralen Abgeltungssteuerabkommen noch das US-Monstersteuergesetz Fatca noch die neuen Eigenkapitalstandards von Basel III bestimmend – sondern die sogenannte Markets in Financial Instruments Directive (Mifid II) der Europäischen Union.“ Die seit 2004 gültige Richtlinie zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt soll für eine Verbesserung des Anlegerschutzes, eine erhöhte Transparenz der Finanzmärkte sowie die Sicherstellung der Integrität der Finanzdienstleister sorgen. Die seit Oktober 2011 in Arbeit befindliche Novellierung (Mifid II) soll auch Privatkunden von Banken und Effektenhändlern in Drittstaaten betreffen.

„Mifid hat aufgrund seiner indirekten Auswirkungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Lugano-Abkommen die größten Konsequenzen auf unsere Offshore-Kundenbeziehungen”, so ein Vertreter der Privatbank Vontobel. Die Umsetzung der relevanten Anforderungen sei mit einem hohen Aufwand verbunden, was wiederum die Kostenseite belaste, merkt die „Schweizer Bank“ dazu an. Infolge des Lugano-Abkommens bestehe bei „Vorliegen eines sogenannten Konsumentenvertrages die Möglichkeit, dass ein Bankkunde unter Umständen in einem Vertragsstaat wie zum Beispiel in Deutschland klagen kann und in der Folge dort ausländisches Recht zur Anwendung bringen kann“. Auch eine anderslautende Regelung in den allgemeinen Geschäftsbedingungen mit Gerichtsstand und Rechtswahl Schweiz würden dann nicht mehr greifen. Dies ziehe in den nächsten Monaten zahlreiche technische und operationelle Anpassungen bei den Banken nach sich. „Im Rahmen dieser Projekte wird die Frage zu prüfen sein, welche Märkte und Kunden im Rahmen des Offshore-Angebotes künftig bedient werden sollen“, erklärt Mats Bachmann, Sprecher der Basler Kantonalbank (BKB).

 


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  1. [...] der Markets in Financial Instruments Directive (Mifid II) der Europäischen Union (vgl. RMRG vom 24.8.).   Tags: Andreas Ruckes, Barack Obama, FATCA, IRS, MiFID [...]