Basel III: EZB will Liquiditätsvorgaben aufweichen

29. August 2012 | Von | Kategorie: Top News

baseltankenIn ihrem Kampf gegen die Euro-Krise versucht die Europäische Zentralbank (EZB) nun offenbar auch die schon beschlossenen Liquiditätsregeln im Regelwerk Basel III aufzuweichen.
Nach Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ will die EZB mit Unterstützung der französischen Nationalbank (Banque de France) im regelsetzenden Baseler Ausschuss eine weniger striktere Ausgestaltung der Mindestliquiditätsquote für Banken (Liquidity Coverage Ratio – LCR) erwirken. Hintergrund sind die Schwierigkeiten der europäischen Finanzinstitute infolge der Staatsschuldenkrise. Die Aufseher hatten sich darauf geeinigt, dass Banken jederzeit in der Lage sein müssen, einen 30-tägigen Finanzierungsengpass zu bewältigen. „Demnach müssen Kreditinstitute 60 Prozent dieses Finanzpuffers mit Staatsanleihen und Bargeld bestücken, Unternehmens- und gedeckte Schuldverschreibungen können bis zu 40 Prozent des Topfes füllen“, erklärt die „Financial Times Deutschland“. Zum Jahresstart 2015 soll dieser Standard eigentlich verbindlich eingeführt werden. Am 11. September findet sich das Gremium der Regulatoren in Basel zu einer zweitägigen Sitzung zusammen, um Kapitalzuschläge für national systemrelevante Banken und die kurzfristigen Liquiditätsanforderungen festzulegen.

Die strikten Festlegungen zur Liquidität stehen seit ihrer Ankündigung im Jahr 2010 in der Kritik seitens der Bankenbranche. Wende man die Liquiditätsregeln zum jetzigen Zeitpunkt an, wären die Banken mit einer Liquiditätslücke von 1760 Mrd. Euro konfrontiert, so das Ergebnis einer Auswirkungsstudie des Baseler Ausschusses. „Seitdem die Zentralbanken im Zuge der Euro-Krise ihre Anforderungen abgeschwächt haben, bewegt sich die LCR mehr und mehr abseits der Zentralbank-Realtität“, moniert Jesper Berg, Senior Vice President bei Dänemarks größter Hypothekenbank Nykredit. Nach Meinung von Richard Reid, Research Director beim International Centre for Financial Regulation (ICFR), sieht die EZB durch die LCR ihre Möglichkeiten zur abgestimmten Justierung der Liquidität am Geldmarkt eingeschränkt. Auch könnten die Regularien zu einer Kreditverknappung für die Realwirtschaft führen. Daher dränge die EZB auf eine weniger strenge Formulierung der Qualitätsvorgaben für Assets, die als Liquiditätspuffer angerechnet werden. Markus Heidinger, Regulierungsexperte bei der österreichischen Kanzlei Wolf Theiss, sieht in einer solchen Ausweitung der anerkannten Assetklassen einen „Schritt in die richtige Richtung“.

Nach Angaben von „Bloomberg“ ist im Baseler Ausschuss an diesem Punkt jedoch mit Widerstand seitens anderer Mitglieder – u.a. der US-Vertreter – zu rechnen. (Quellen: Bloomberg, Financial Times Deutschland)

 


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