Deutsche Bank-Chef Fitschen schaltet sich in Aufsichtsstreit ein

4. September 2012 | Von | Kategorie: Regulierung

tickerIm Rahmen einer „Handelsblatt“-Tagung hat sich der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in der Debatte um die Ausgestaltung einer europäischen Bankenaufsicht zu Wort gemeldet.
Hier sei eine mutige Neugestaltung angezeigt, wird Fitschen von den Agenturen wiedergegeben. Wer Europa als einheitlichen Marktplatz wolle, der dürfe sich nicht auf den „geringstmöglichen Nenner” bei der künftigen Bankenregulierung einigen, erklärte der Bankchef. Diese Aussage ist als Kritik an jüngsten Verlautbarungen der deutschen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und Öffentlichen Banken zu verstehen, die eine Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) über kleine und mittlere Finanzinstitute ablehnen (vgl. RMRG vom 31.8.). Fitschen hält die Pläne der EU-Kommission für richtig, nicht nur die systemrelevanten Banken aus einer Hand überwachen zu lassen. Deutschland als Schwergewicht in Europa dürfe bei diesem Vorhaben nicht bremsen. Denn das würde andere Länder dazu verleiten, ebenfalls auszuscheren, so die Warnung des Deutsche Bank-Chef.

In der kommenden Woche will Brüssel weitere Details zu den Plänen für eine europäische Bankenaufsicht vorlegen. Gerade die Aufsichtskompetenz der EZB wird dabei im Fokus stehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich skeptisch zu dem Vorhaben geäußert, alle 6000 Institute im Euroraum durch die Zentralbank beaufsichtigen zu lassen. Ein Sprecher des federführenden EU-Binnenmarktkommissars, Michel Barnier, hatte gestern jedoch erklärt, dass man bei neuen Bankenaufsichtsstruktur durchaus auch weiterhin auf die Kompetenz der nationalen Aufseher setzen wolle (Quellen: Reuters, dpa, FAZ, Süddeutsche Zeitung; Börsen-Zeitung).

 


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  1. [...] Der heftige Streit der deutschen Bankenbranche um die Gestaltung der neuen europäischen Bankenaufsicht steht im Fokus der heutigen Presseberichterstattung. Die massiven Diskrepanzen zwischen Privatbanken einerseits und Sparkassen, Öffentlichen Banken und Genossenschaftsbanken andererseits, traten bei der „Handelsblatt“-Konferenz „Banken im Umbruch“ offen zu Tage. So titelt das „Handelsblatt“: „Banken gegen Banken“ – und die „Börsen-Zeitung“ notiert auf Seite 1: „Deutsche Banken streiten über Struktur der europäischen Aufsicht.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ zieht die Konfliktlinie zwischen den kleinen und den großen Banken. „Banken zanken über ihre Aufsicht“, konstatiert die „Frankfurter Rundschau“. Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, forderte auf der Konferenz eine einheitliche Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) über alle Banken der Eurozone. Man lege Wert darauf, „in einem fairen Wettbewerb“ mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken antreten zu können. Wer wolle garantieren, dass es keine Unterschiede gebe, „wenn wir der europäischen Aufsicht unterliegen und der Rest der nationalen Aufsicht?”, so die von Fitschen formulierte Fragestellung (vgl. RMRG vom 4.9.). [...]