Kurzfristige Refinanzierung von Hypotheken birgt Risiken für Banken

6. September 2012 | Von | Kategorie: Top News

risikoBegünstigt durch das Niedrigzinsumfeld reichen deutsche Banken aktuell günstige Hypothekendarlehen aus – deren überwiegend kurzfristige Refinanzierung birgt nach Expertenmeinung jedoch erhebliche Risiken.
Aktuelle Daten der Bundesbank zeigen auf, dass „die meisten Institute ihre langfristig ausgereichten Immobilienkredite nur kurzfristig aus Kundeneinlagen und nicht langfristig über Pfandbriefe refinanziert“, gibt die „Financial Times Deutschland“ Hans-Joachim Dübel, Inhaber der Beratungsgesellschaft Finpolconsult, wieder. Steige das Zinsniveau, könnte dies die Banken vor massive Probleme stellen. „Sollten die Institute für die Refinanzierung dann höhere Zinsen zahlen müssen, als sie an den von ihnen vergebenen Darlehen verdienen, droht eine Pleitewelle im Bankensektor“, warnt Dübel. Und weiter: „Am Ende könnte die Bundesregierung gezwungen sein, milliardenschwere Rettungspakete aufzulegen, so wie es heute die spanische Regierung tun muss.“

Aktuell scheint ein solches Szenario in weiter Ferne, da die Europäische Zentralbank (EZB) als eine Maßnahme zur Bekämpfung der Staatsschuldenkrise auf einen niedrigen Leitzins setzt. So hat die EZB in ihrer heutigen Zinsentscheidung verkündet, dass sie ihren Leitzins bei 0,75 Prozent hält. Auch den Einlagezins, den Banken bekommen, wenn sie Geld kurzfristig bei der EZB parken, beließen die Währungshüter bei null Prozent. Somit dürften die Hypo-Zinsen vorerst auf niedrigem Niveau verharren. Doch andererseits verkündete Zentralbank-Chef Mario Draghi auch ein im Volumen unbegrenztes Staatsanleihekaufprogramm zur Stabilisierung der Krisenstaaten der Euro-Peripherie (u.a. Spanien, Italien). Sollte über diesen Ansatz ein Weg zur Lösung der Euro-Krise geebnet werden und sich dann mittelfristig auch der Konjunkturhorizont aufhellen, könnte eine Leitzinserhöhung der EZB mit dem Ziel der Inflationsbekämpfung anstehen.

Experte Dübel mahnt, dass dieses Szenario dazu führen könnte, dass „deutsche Banken und Sparkassen genau dann in Not geraten, wenn südeuropäische Staaten wie Spanien ihre Immobilien- und Bankenkrise bewältigt haben“. Investoren könnten ihre Anlagen aus Bundesanleihen in höher verzinsliche südeuropäische Staatsanleihen umschichten. Das würde die Zinsen hierzulande zusätzlich in die Höhe treiben. „Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass die deutsche Bankenaufsicht die Institute nicht mahnt, ihre Hypothekendarlehen jetzt langfristig über Pfandbriefe zu refinanzieren“, wird Dübel von der „Financial Times Deutschland“ zitiert (weitere Quelle: Spiegel Online).

 


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