NGO hilft Fresenius Kabi beim Reputationsrisikomanagement

13. September 2012 | Von | Kategorie: Top News

risikoSelten agieren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wirtschaftsunternehmen Hand in Hand – ein deutscher Arzneimittelhersteller beweist jetzt das Gegenteil.
Im Zuge des Todes von Michael Jackson erlangte das Narkotikum Propofol und dessen Missbrauch durch den Popstar hierzulande unrühmliche Bekanntheit – eine Verquickung von Umständen, die der Hersteller Fresenius Kabi nicht vorhersehen und demzufolge auch nicht gegensteuern konnte. Einer anderen unerwünschten Verwendung tritt der Arzneimittelhersteller jetzt aber entschlossen entgegen – unter tätiger Mithilfe der britischen Nichtregierungsorganisation Reprieve. Hintergrund sind die Pläne des US-Bundesstaates Missouri, das Medikament künftig für Hinrichtungen einsetzen zu wollen. Andere Wirkstoffe für diese Exekutionen sind in den USA derzeit in der Auswahl knapp – daher der Versuch der Administration, auf dieses Mittel zuzugreifen. Doch Propofol wird in den USA eigentlich für andere Zwecke verwendet – es gilt als das führende Narkotikum im US-Klinikbereich und wird im Jahr ca. 50.000 mal verwendet. Zudem wird es zur Sedierung der Patienten bei Magen- oder Darmspiegelungen genutzt. Eine thematische Verbindung des renditeträchtigen Wirkstoffs, den Fresenius Kabi in den USA exklusiv vertreibt, mit dem Thema Hinrichtung barg für den Bad Homburger Konzern ein beträchtliches Reputationsrisiko. Die britische NGO hat Fresenius Kabi laut Medienberichten auf dieses Problemstellung hingewiesen und ist dann mit der Firma in Verhandlungen getreten, wie man den Missbrauch von Propofol für Todesspritzen verhindern kann. Federführend agierte dabei die Menschenrechtsaktivistin Maya Foa, die sich für eine Abschaffung der Todesstrafe in den USA engagiert.

Als geeignete Vorgehensweise wählt der Konzern nun deutliche Handelsbeschränkungen für den Wirkstoff in den USA. Die dort für Fresenius Kabi agierenden Großhändler müssen eine schriftliche Erklärung abgeben, dernach sie sich verpflichten, „nicht an Gefängnisse, nicht an Strafvollzugsbehörden und nicht an Gefängniskrankenhäuser zu liefern“. Jede Order muss nun auf die Einhaltung dieser Vorschriften geprüft werden. Dieses Regelung sei zudem „strafbewehrt“. „Verstößt ein Händler gegen den Vertrag, verliert er umgehend das Recht, Propofol zu vertreiben“, erklärte der Sprecher von Fresenius, Joachim Weith, gegenüber der „tageszeitung“. Einem Bericht des Radiosenders „hr info“ zufolge, würde eine Aberkennung dieses Vertriebsrechts für die Händler einen massiven Verlust bedeuten. Zudem haben die Bad Homburger die Anzahl der US-Großhändler von derzeit 30 Händlern auf 11 bis 15 reduziert, um diesen Prozess auch selbst besser überwachen zu können. Hier agiert man also mit einer doppelten Risikoabsicherung.

Reprieve hatte zuvor schon einen anderen Arzneimittelhersteller, die dänische Firma Lundbeck, bei diesem Thema beraten. So hatten die Dänen den Vertrieb des Anästhetikums Thiopental umgestellt, um nichtgewünschte Verwendungen durch die US-Behörden zu verhindern. In den USA wurde Thiopental zuvor zur Vorbereitung auf die Hinrichtung durch die Giftspritze sowie im Jahr 2009 erstmals auch zur Hinrichtung selbst angewendet. (Quellen: hr info, die tageszeitung, Handelsblatt).

 


Tags: , , , , , , , ,

Keine Kommentare möglich.