Schweden will Basel III schärfer auslegen / Liquiditätsregeln sollen schon 2013 verbindlich sein

1. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Top News

SchwedenDie schwedische Notenbank drängt auf nationalen Gestaltungsspielraum zur schärferen Auslegung der Bankeneigenkapitalregeln Basel III.
Vergangene Woche stellte Karolina Ekholm, Direktionsmitglied der Schwedischen Reichsbank, in Stockholm eine Agenda vor, wie künftige Finanzkrisen in Schweden verhindert werden können. Besonderen Fokus legte Ekholm dabei auf eine strikte Auslegung der Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für Banken. Die Notenbank des Landes baue darauf, dass die EU bei der Umsetzung von Basel III in europäisches Recht (CRD IV) den Nationalstaaten Spielraum zur Verschärfung der Regularien gibt. Die Reichsbank, das Finanzministerium und die Allfinanzaufsicht (Finansinspektionen) wollen den vier größten Banken des Landes eine verbindliche Kernkapitalquote von 10 Prozent der risikogewichteten Anlagen (RWA) ab Jahresstart 2013 vorschreiben – diese Quote soll 2015 auf 12 Prozent angehoben werden. Aufgrund ihrer hohen Ertragspotenziale und der vergleichsweise geringen Kreditausfälle sollten die Institute in der Lage sein, diese Vorgaben zu erfüllen, betonte Ekholm.

Auch bei den Liquiditätsregeln von Basel III sollte Schweden nach Aussage des Direktionsmitglieds der Notenbank ein deutlich schnelleres Tempo vorlegen, als von den internationalen Regulatoren vorgesehen: Die Schwedische Reichsbank und die Finansinspektionen wollen die Mindestliquiditätsquote LCR bereits ab nächstem Jahr verbindlich machen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sieht dies erst für 2015 vor. Zur Begründung für die nationalen Verschärfungen verweist Karolina Ekholm auf die Besonderheiten des schwedischen Bankensektors. Einerseits seien die Institute des Landes vergleichsweise eng vernetzt – andererseits erfolge die Refinanzierung der Banken in Fremdwährungen und somit zu eher kurzen Laufzeiten. In „Stressphasen“ könnten die Banken also schneller in Liquiditätsschwierigkeiten geraten.

Sollte Schweden diese Regelauslegung tatsächlich umsetzen, dürfte dies auch andere europäische Banken unter Druck setzen, den Anforderungen schneller gerecht zu werden. Hintergrund: Die Banken konkurrieren am Kapitalmarkt um die Gelder der Investoren – und die schwedischen Institute könnten dann bei den Marktakteuren über die Übererfüllung der Basel III-Mindestanforderungen die höhere Sicherheit ihrer Anleihen dokumentieren. Bereits am Freitag berichteten wir über die aktuelle Postionierung der europäischen Banken auf dem Weg zur Erfüllung der Kapital- und Liquiditätsvorgaben – vgl. RMRG vom 28.9. (Quellen: Sveriges Riksbank, centralbanking.com).

Der Redebeitrag der Notenbankerin kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.riksbank.se/Documents/Tal/Ekholm/2012/tal_ekholm_120927_eng.pdf

 


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