Deutscher Vertreter in Liikanen-Gruppe begründet Regulierungsvorschläge

11. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Top News

BankenaufsichtDer einzige deutsche Vertreter in der Liikanen-Gruppe, der Frankfurter Professor Jan Pieter Krahnen, begründet in einem Zeitungsinterview die tiefgreifenden Regulierungsideen der Experten.
Die vom finnischen Notenbank-Chef Erkki Liikanen geführte Expertengruppe hatte im Auftrag der EU neue Vorschläge zur Bankenregulierung formuliert – und stieß damit vergangene Woche auf ein breites Medienecho. So plädieren die Fachleute dafür, dass Großbanken die riskantesten Teile ihres Investmentbankings abtrennen, um die Kundengelder vor Verlusten des spekulativen Eigenhandels zu schützen. Im Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ beschreibt Krahnen den Hintergrund dieses Vorhabens wie folgt: „Das Ziel besteht darin, die Handelsaktivitäten zu einer in sich abgeschlossenen Wirtschaftseinheit zu machen, die auf sich selbst gestelltes Kapital mobilisieren muss. Denn obwohl die Banken vor der Krise immer größere Summen im Handel eingesetzt haben, mussten sie die damit verbunden Risiken nicht wirklich bei der Refinanzierung entgelten – weil sie einen Zugriff auf Spareinlagen hatten und damit günstig an frisches Geld kamen.“ Die Finanzierungskosten müssten künftig die wirklichen Risiken widerspiegeln, so der Bankenprofessor von der Frankfurter Goethe-Universität.

Die „Stuttgarter Zeitung“ entgegnet mit Verweis auf das Beispiel Lehman Brothers, dass sich im Zuge der Finanzkrise jedoch Banken ohne Einlagen als besonders anfällig erwiesen hätten – und fragt, ob die geforderte Trennung dann nicht zu höheren Risiken führen könne. Krahnens Antwort: „Nach Durchsicht aller Fälle, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, können wir nicht sagen, dass eines der Geschäftsmodelle als besonders risikoarm oder als besonders riskant gelten kann. In Europa hat sich das Universalbankenmodell bewährt, es gibt also keinen Grund, hier einen Schnitt zu machen. Das Einzige, was wir sagen können, ist: Es gab einen exzessiven Anstieg der Handelsaktivitäten, und die können wir ein Stück weit eindämmen, indem wir das zu eigenständigen Geschäftseinheiten machen.“ Folgend erklärt der Experte, dass die Liikanen-Gruppe mögliche alternative Zulassungsverfahren für einzelne Handelsgeschäfte der Banken bei ihren Diskussionen früh verworfen habe. Denn damit hätte man sich in „einen ewigen Wettlauf mit der Industrie in der Produktentwicklung“ begeben, „den die Aufsicht nicht gewinnen“ könne.

Am Montag hatte die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin die Vorschläge der Experten wohlwollend kommentiert. „Ich halte die Ansätze für sehr erwägenswert“, sagte BaFin-Chefin Elke König. Die Pläne würden „das kontinentaleuropäische Universalbanken-System nicht grundsätzlich zur Disposition“ stellen – es könne aber zu Anpassungen bei großen Geldhäusern führen. Damit seien die Ideen der Liikanen-Gruppe wesentlich differenzierter und praktikabler ausgefallen, als vergleichbare Vorschläge aus den USA und Großbritannien, erklärte die Aufseherin (weitere Quellen: Handelsblatt, Reuters).

 


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  1. [...] die Expertengruppe, in der auch der beim CFS tätige Professor Jan Pieter Krahnen mitwirkte (vgl. RMRG vom 11.10.), empfohlen, die Banken zur Ausgabe von risiko-behafteten Anleihen (sogenannte „Bail-In“-Bonds) [...]