Aufgeweichte Basel III-Regeln in Großbritannien werden von deutschen Banken unterschiedlich kommentiert

15. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Top News

Die Pläne der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA, die Bankeneigenkapitalregeln Basel III bei der nationalen Umsetzung aufzuweichen, stoßen bei den deutschen Finanzinstituten auf gemischte Reaktionen.
Das Vorhaben, Kredite aus dem „Funding for Lending“-Programm der Bank of England von der Eigenkapitalunterlegung zu befreien, stößt insbesondere bei den hiesigen Sparkassen auf Empörung. Diese Befreiung sei „das genaue Gegenteil“ dessen, was global und in Europa verabredet sei, erklärt Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon gegenüber der „Financial Times Deutschland“. „Dass Großbritannien jetzt Regeln umsetzt, die Basel III konterkarieren, muss uns alle umtreiben“, mahnte der DSGV-Vormann weiter (vgl. RMRG vom 10.10.). Die heftige Kritik an der FSA seitens der Sparkassen verwundert jedoch – denn nicht zuletzt die Sparkassen fordern bei europäischen Umsetzung von Basel III (CRD IV) eine geringere Risikogewichtung von Mittelstandskrediten. Auch eine solche Ausnahme ist im dritten Baseler Eigenkapitalakkord nicht verankert. Erst vor kurzem teilte der Präsident des Bundesverbands der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, in diesem Kontext mit, dass aus den europäischen Verhandlungen zu den Eigenkapitalregeln zu vernehmen sei, dass eine geringere Risikogewichtung für Ausleihungen an Unternehmen konkret zur Diskussion stehe. Diese Kredite sollen Fröhlich zufolge nach den Maßgaben von Basel II behandelt werden (vgl. RMRG vom 10.10.).

Indes äußerte sich der Präsident des Bankenverbandes BdB, Andreas Schmitz, laut „Financial Times Deutschland“ zurückhaltender zu den Plänen der britischen Finanzaufsicht. „Wir glauben nicht, dass das Vereinigte Königreich in der Summe unter Basel III zurückfallen wird“, so Schmitz. Und weiter: „Ich glaube eher, dass sie sich der europäischen Position annähern und Kapitalquoten von sieben bis acht Prozent statt wie bisher geplant zehn Prozent verlangen werden. In Großbritannien gibt es ein Problem, das wir nicht kennen: Der Mittelstand bekommt dort kaum noch Finanzierungen.“ Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, habe sich derweil wegen der Basel III-Debatte „genervt“ gezeigt, analysiert die „Financial Times Deutschland“. „Wir haben unsere Strategie auf Basel III aufgesetzt. Jetzt wird wieder alles infrage gestellt … Irgendwo muss man einen Schlussstrich ziehen. Wir haben in dieses System investiert“, betonte Jain.

 


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