Finanzplatz Frankfurt mit ambivalenter Bewertung der Liikanen-Vorschläge

16. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Top News

FrankfurtDie Pläne zur Bankenregulierung aus der Feder der Liikanen-Gruppe stoßen am Finanzplatz Frankfurt auf gemischte Reaktionen.
Im Rahmen der Erhebung für seinen Finanzplatzindex hat das Center for Financial Studies (CFS) der Frankfurter Goethe-Universität die Akteure am Finanzplatz Frankfurt nach deren Einschätzungen zu den Bankenregulierungsvorschlägen der von der EU eingesetzten Liikanen-Gruppe befragt. Insbesondere die Pläne der Expertengruppe für eine größenabhängige Trennung des Handelsgeschäfts der Banken vom Einlagengeschäft stießen auf breite öffentliche Reaktionen. Die Hälfte der Befragten Finanzakteure erwartet laut der Umfrage jedoch keine negativen Auswirkungen dieses möglichen regulatorischen Eingriffs auf das deutsche Universalbankenmodell. Dagegen sorgen sich rund 40 Prozent vor entsprechenden, negativen Effekten. Die Befragten sind zudem mehrheitlich überzeugt (78 Prozent), dass in erster Linie die hiesigen Privatbanken von diesen Trennungsvorgaben tangiert wären. Im Fokus dürfte hier die Deutsche Bank stehen, deren Investmentbanking die von der Liikanen-Gruppe definierte, kritische Größe klar übersteigt (Volumen von 100 Mrd. Euro oder 15-25 Prozent der Bilanzsumme). Je nach dem, wie die Grenze genau definiert wird, wären auch die Commerzbank und einzelne Landesbanken betroffen.

Weiter hatte die Expertengruppe, in der auch der beim CFS tätige Professor Jan Pieter Krahnen mitwirkte (vgl. RMRG vom 11.10.), empfohlen, die Banken zur Ausgabe von risiko-behafteten Anleihen (sogenannte „Bail-In“-Bonds) zu verpflichten. Bei einer Schieflage des Finanzinstituts würden die Besitzer dieser Papiere als erste zur Haftung herangezogen. 38 Prozent der Befragten halten diese Emissionsverpflichtung für sinnvoll, 35 Prozent lehnen ebendiese ab. „Unter den Befragten äußern sich vor allem die Finanzinstitute ablehnend („sinnvoll“: 31 Prozent; „nicht sinnvoll“: 40 Prozent; keine Angabe: 29 Prozent), während die Dienstleister am Finanzplatz den Vorschlag überwiegend sinnvoll finden („sinnvoll“: 44 Prozent; „nicht sinnvoll“: 30 Prozent; keine Angabe: 26 Prozent)“, teilt das CFS in seiner Veröffentlichung mit.

In der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ beschreibt der ehemalige Risikovorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, die Hintergründe der Regulierungsvorschläge der Liikanen-Gruppe. Der Schweizer Risikoexperte hatte in der Expertenrunde – ebenso wie Krahnen – mitgeholfen, die Pläne zu entwerfen. „Ich wurde eingeladen, in der Kommission des finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen mitzuwirken. Und ich sah es, wenn Sie so wollen, als meine Bürgerpflicht an, bei der Entwicklung eines stabilen Bankenmodells mitzuwirken. Der Graben zwischen Banken und Realwelt ist zu groß“, so seine Aussage. Im Interview wird Bänziger gefragt, ob die Vorschläge nicht als „Anti-Deutsche-Bank-Bericht“ zu lesen seien. Der Risikomanager entgegnet: „Also zum einen saßen wir in der Kommission zu elft. Und zum anderen wollten wir einfach verhindern, dass Kundengelder ins Investmentbanking fließen. Das habe ich als Risikochef bei der Deutschen Bank sowieso nie erlaubt. Dort sind auch schon viele Teile des Handels gesellschaftlich eigenständig, wie etwa das US-Aktiengeschäft.“

 


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