Signale für Auflockerung von Basel III in den USA werden konkreter

18. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Top News

USADie Gemeindebanken in den USA können auf eine weniger strenge Auslegung der Basel III-Regeln hoffen.
Seit langem laufen die kleinen Banken in den USA – vornehmlich die Gemeindebanken (community banks) – Sturm gegen die Eigenkapital- und Liquiditätsregeln von Basel III. Die Institute fühlen sich von der technischen und kapitalseitigen Implementierung der Regularien überfordert und warnen vor einer Kreditverknappung für kleine Firmen und Privathaushalte. Vor allem die kleineren Gemeindebanken leiden auch immer noch stark unter faulen Krediten und hängen den großen Wall-Street-Banken bei der Erholung klar hinterher. In den Jahren 2009 und 2010 musste eine große Zahl von Gemeindebanken durch die US-Einlagensicherung FDIC geschlossen werden. Die Warnung der Institute vor den Negativeffekten von Basel III ist von den US-Regulatoren immer mit Verständnis kommentiert worden – doch offiziell wurde eine vollständige Anwendung der nationalen Basel III-Regelumsetzung kommuniziert. Nun hat jedoch US-Aufseher Tom Curry, Comptroller of the Currency, im Rahmen eines Treffens der American Bankers Association (ABA) in San Diego konkrete Ausnahmen formuliert, die von den regelsetzenden Aufsehern in den USA (Notenbank Fed, FDIC, OCC) derzeit in Erwägung gezogen werden.

Curry verdeutlichte, dass er die Basel III-Einführung nicht unter dem Credo „one size fit’s all“ versteht – sondern das vielmehr einige Elemente des Regelwerks für Gemeindebanken unpassend seien. Ohnehin kämen, so Curry, die Vorgaben zur Anwendung des fortgeschrittenen Ansatzes von Basel III (interne Risikomodellierung) bei den Instituten nicht zur Anwendung – doch auch der vorgeschriebene Aufbau von antizyklischen Kapitalpuffern werde wohl nicht angelegt. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die Risikobewertungen von Immobilienkrediten für die kleineren US-Banken aufzulockern. Die Berechnung des für diese Kredite vorzuhaltenden Eigenkapitals anhand von „loan-to-value ratios“ oder der Einzelidentifizierung von risikoreichen, großvolumigen Ausleihungen werde derzeit kritisch überprüft, so der Comptroller of the Currency. Diese Eigenkapitalunterlegung könnte die Gemeindebanken überlasten – gerade wenn sie zu schnell verbindlich werde.

Nach Analyse der Branchenpublikation „American Banker“ hat Curry damit als erster federführender Regelsetzer eine konkrete Agenda zur möglichen Auflockerung von Basel III für kleinere Banken des Landes formuliert. Im vergangenen Monat hatte der FDIC-Direktor und ehemalige Chef der US-Notenbank Fed in Kansas City, Thomas Hoenig, bereits für eine vollständige Abkehr vom Regelwerk Basel III in den USA plädiert (vgl. RMRG vom 17.9.). Diese Aussagen waren jedoch eher als eine persönliche Meinungsäußerung zu verstehen, da Hoenig erst vor kurzem in das FDIC-Direktorium berufen wurden.

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] Die Regularien sollen nach Mitteilung des Comptroller of the Currency, Thomas Curry, auch für kleine US-Banken (z.B. Gemeindebanken) Anwendung finden. Doch in der anstehenden Finalisierung der Regeln dürften für diese Institute konkrete Ausnahmen formuliert werden. Die dabei erwogenen Schritte der Aufseher hatte Curry in der vergangenen Woche angedeutet (vgl. RMRG vom 18.10.). [...]