Basel III-Verschiebung in USA sorgt für Unruhe

13. November 2012 | Von | Kategorie: Top News

Die von den USA angekündigte Verschiebung der Einführung der Basel III-Eigenkapitalregeln für Banken stößt auf ein breites Medienecho.
Die US-Aufsichtsbehörden gaben gestern bekannt, dass die nationale Umsetzung des dritten Baseler Eigenkapitalakkords infolge zahlreicher Kommentierungen der entsprechenden Regelvorschläge zeitlich aufgeschoben wird. Ein neues verbindliches Datum wurde nicht mitgeteilt (vgl. RMRG vom 12.11.). Dieses Abweichen vom internationalen Fahrplan zur Einführung von Basel III löst in der hiesigen Wirtschaftspresse besorgte Kommentierungen aus. „US-Aufsicht stresst Europäer“, analysiert das „Handelsblatt“ – und die „Börsen-Zeitung“ erkennt: „USA befeuern Debatte um Basel III-Einführung. Sollte die EU an einer Regelimplementierung zum Jahresstart 2013 festhalten, drohen nun nach Ansicht des „Handelsblatts“ Wettbewerbsverzerrungen im Bankensektor. „Besonders heftig betroffen wäre die Deutsche Bank, die als globale Investmentbank gegen US-Rivalen wie JP Morgan und Goldman Sachs antritt“, notiert die Zeitung. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sieht gar das ganze Regelkonstrukt in Gefahr und schreibt zur Verzögerung in den USA: „Dies lässt in Europa Befürchtungen laut werden, dass die Vereinigten Staaten das neue Regelwerk möglicherweise gar nicht einführen werden. Dies war auch schon bei den Vorgängerregeln (Basel II) der Fall, die nie für amerikanische Banken eingeführt worden waren.“ Stefan Best, Bankenanalyst der Ratingagentur Standard & Poor’s, merkt im „Handelsblatt“ an: „Das größte Risiko besteht darin, dass die Verzögerung ein Indiz dafür sein könnte, dass die ohnehin nicht allzu strengen neuen Regeln verwässert werden.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, fordert nun von den US-Aufsichtsbehörden schnellstmöglich ein konkretes Datum für die Basel III-Umsetzung vorzulegen. „Sonst droht die Gefahr, dass die durchaus sinnvollen Regeln dort auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden”, warnt Kemmer. Zudem wiederholte der BdB nach Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nun seine Forderung, dass Basel III in der EU keinesfalls vor dem 1. Januar 2014 eingeführt werden solle.

In seinem Leitartikel fordert das „Handelsblatt“ indes, dass man sich hierzulande von den Verzögerungen auf der anderen Seite des Atlantiks nicht beirren lassen und die Regeln pünktlich einführen sollte. „Wer jetzt mit dem Hinweis auf Amerika die Umsetzung der Regeln auch in Europa bremsen möchte, hat nicht verstanden, was deren Zweck ist: die Banken und das Finanzsystem insgesamt sicherer zu machen“, so Autor Frank Wiebe. Auch könnte ein Voranschreiten in Europa und Deutschland die Branche auf internationaler Ebene doch noch konsequent auf Basel III-Kurs schwenken lassen – denn: „Je uneinheitlicher die Auflagen sind und je geringer die Sicherheit der Banken ist, desto stärker müssen nationale Aufseher darauf achten, dass Töchter von Auslandsbanken in ihrem Land möglichst autark arbeiten können. Das bedeutet Einschränkungen bei der Verteilung von Kapital und Liquidität im jeweiligen Finanzkonzern. Die großen Banken mögen das nicht, weil es ihre Flexibilität und ihre Rendite schmälert. Über diesen Hebel ist daher möglicherweise die Branche zu bewegen, dass sie sich selbst für einheitliche und ausreichende Regulierung einsetzt.“

 


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