Kritik an Bankenregulierung vereint deutsche Kreditwirtschaft

21. November 2012 | Von | Kategorie: Top News

Die derzeit stattfindende „Euro Finance Week“ in Frankfurt ist geprägt von der Kritik der Bankenvertreter an einer unkoordinierten Regulierung ihrer Branche.
Während sich die deutsche Kreditwirtschaft in Bezug auf die Kompetenzausstattung der neuen europäischen Bankenaufsicht und einhergehend der Formierung einer Bankenunion zerstritten zeigt, forderten die Vertreter von Privat- , Landes- und Genossenschaftsbanken auf der Veranstaltung in ungewohnter Einigkeit eine Zäsur bei der Bankenregulierung. Dabei sparten die Banker nicht mit drastisch formulierten Sinnbildern. Hans-Dieter Brenner, Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), sieht die Finanzinstitute „an der Klippe eines regulatorischen Kollapses“ und beklagte eine „Flut nicht koordinierter Vorschläge“. DZ Bank-Chef Wolfgang Kirsch sieht einen „Regulierungs-Tsunami“ am Horizont, der für kleine Volks- und Raiffeisenbanken nicht zu bewältigen sei. Daher fordert Kirsch „dringend eine regulatorische Gesamtwirkungsanalyse”. Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, mahnte auf dem Podium, dass im neuen regulatorischen Rahmen für die Bankenbranche auch Innovation und Effizienz möglich sein müssten. Der Risikochef der Nord/LB, Johannes-Jörg Riegler, beschrieb als Ursache für die zahlreichen Verregelungsvorschläge eine „Rivalität“ der Aufsichts- und Regulierungsbehörden: „Jeder Regulierer hat seine eigenen Ideen und will seine Existenzberechtigung unter Beweis stellen.“

Die „Financial Times Deutschland“ subsummiert die Aussagen als „eintönige Debatte“. Fazit: „Die Branche erlebt ohne Zweifel eine Zeitenwende, mit tief greifenden, schmerzhaften Veränderungen.“ Die „Börsen-Zeitung“ konstatiert in einem Kommentar: „Das Jammern über die Regulierung ist der Gruß des Bankers.“ Doch auch wenn die Kritik der Branchenvertreter einigen „Wertberichtigungen“ unterzogen werden müsse, hätten diese im Grunde Recht. Begründung des Autors: „Die Regulierungswirklichkeit sieht so aus, dass neue Regeln nicht hinreichend nach dem Gefährdungspotenzial unterschiedlicher Geschäftsmodelle differenzieren, dass es entgegen allen Bekundungen keinen internationalen Gleichlauf gibt, dass niemand die kumulierten Auswirkungen aller Einzelmaßnahmen überschaut und damit sowohl die Kosten für die Banken (mit bereits absehbaren Konsequenzen für die Arbeitsplätze) als auch die Folgen für die Realwirtschaft total im Dunkeln bleiben. So kann man eine Branche auch zu Tode regulieren.“ (weitere Quellen: Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Reuters)

 


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