Wirtschaftsweise plädiert für Forcierung der Verschuldungsgrenze für Banken

28. November 2012 | Von | Kategorie: Top News

Die feste Verschuldungsgrenze für Finanzinstitute sollte nach Meinung von Vertretern des Sachverständigenrats der Bundesregierung in den Mittelpunkt der Bankenregulierung rücken.
In einer Stellungnahme zur heutigen Anhörung des Finanzausschusses des Bundestags zur Basel III-Umsetzung in Europa (CRD IV-Umsetzungsgesetz) plädiert die Wirtschaftsweise Claudia M. Buch für eine stärkere regulatorische Gewichtung einer Verschuldungsgrenze für Banken (Leverage Ratio). Der Baseler Ausschuss hatte diese Kenngröße innerhalb der Eigenkapital- und Liquiditätsvorgaben Basel III als verbindliches Instrument vorgeschlagen. Zum Jahresstart 2013 soll die Leverage Ratio als Beobachtungsgröße innerhalb von Basel III eingeführt werden – respektive zu dem Zeitpunkt, an dem Basel III nach der absehbaren zeitlichen Verzögerung in der EU verbindlich greift (vgl. RMRG vom 27.11.). Ab dem 1. Januar 2015 soll diese Kennzahl dann allgemein offengelegt werden. Buch merkt dazu an: „Um die Auswirkungen der Einführung einer Leverage Ratio auf den Finanzsektor und die Volkswirtschaft zu evaluieren, ist es zudem erforderlich, dass diese bereits ab dem Jahr 2013 von den Instituten offengelegt wird.“

Folgend beschreibt die Sachverständige die Vorteile der Leverage Ratio: Diese sei „weitaus transparenter und besser zu kontrollieren als eine risikogewichtete Eigenkapitalquote“. Kritisch gefasst heißt es folgend in der Stellungnahme der Professorin von der Universität Tübingen: „Die bisher lediglich geplante Offenlegung der Leverage Ratio, zumal mit einer nicht unerheblichen Verzögerung, ist daher zu schwach. Vielmehr sollte eine Leverage Ratio als ungewichtete Eigenkapitalquote zukünftig in das Zentrum der Regulierung gerückt und nicht nur subsidiär zur risikogewichteten Eigenkapitalquote eingesetzt werden. Die Leverage Ratio ist ein solider Puffer, der immun ist gegen Risikofehleinschätzungen und Manipulation der Risikogewichte in der Eigenkapitalregulierung.“

Mit Blick auf die Risikogewichtung des Eigenkapitals, die für die europäische Umsetzung von Basel III geplant ist, kritisiert Buch die fehlende Abbildung „systemischer Verknüpfungen zwischen einzelnen Banken, die sich aus Korrelationen von Bilanzpositionen, aus dern Ähnlichkeit von Geschäftsmodellen oder aus der gemeinsamen Exponiertheit gegenüber makroökonomischen Schocks ergeben“. Sie verweist dabei auf Staatsanleihen und Mittelstandskredite. So heißt es: „Insbesondere bei Staatsanleihen hält der Verordnungsvorschlag weiterhin an der Nullgewichtung fest und entspricht nach wie vor nicht den Baseler Übereinkünften. Zumindest wurde die Verordnung dahingehend ergänzt, dass Banken keine ‚übermäßigen Volumina’ an Staatsanleihen eines Landes halten sollen; eine genaue Quantifizierung durch die European Banking Authority (EBA) steht noch aus. Selbst Banken, die Risikogewichte auf Basis eigener Modelle bestimmen, müssten demnach Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen. Die regulatorische Risikoeinschätzung bezüglich Staatsanleihen weicht damit signifikant von der Einschätzung der Marktteilnehmer ab und bietet Anreize, in diese Forderungsklassen zu investieren.“

Die Stellungnahme Buchs für den Finanzausschuss wurde unter Mitarbeit des wissenschaftlichen Stabs des Sachverständigenrats (Dr. Benjamin Weigert und Dr. Tobias Körner) formuliert.

 


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