Regulierung “light” für Ratingagenturen in Europa

29. November 2012 | Von | Kategorie: Regulierung

Die Regulierung der Ratingagenturen durch die Europäische Union stößt in der Wirtschaftspresse einhellig auf kritische Bewertungen.
Der nach Verhandlungen mit EU-Mitgliedsstaaten und dem Europaparlament verabschiedete Kompromiss habe die ursprünglichen Forderungen von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier stark verwässert, heißt es unisono. Die „Financial Times Deutschland“ konstatiert: „Kleiner Klaps für Ratingagenturen“ – und das „Handelsblatt“ schlussfolgert: „Bonitätsprüfer verteidigen ihr Geschäftsmodell.“ Neutraler titelt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und stellt dabei schon eine der Festlegungen vor: „Ratingagenturen haften künftig für grob fahrlässige Fehleinschätzungen.“ Die Beweislast im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung soll jedoch bei der klagenden Partei liegen. „Die ursprüngliche Idee einer umgekehrten Beweislast zulasten der Agenturen wurde fallen gelassen“, notiert die „Financial Times Deutschland“. Stark verwässert wurde die von Barnier gewünschte Rotationspflicht, der zufolge Unternehmen alle drei Jahre eine der von ihnen beauftragten Ratingagenturen wechseln sollten. „Das wird nun auf eine Untergruppe der komplexen strukturierten Produkte beschränkt, bei denen die Ratingagentur alle vier Jahre wechseln muss. Erst nach einer Pause von vier Jahren darf die Agentur anschließend wieder ein Rating für das betroffene Finanzprodukt erstellen“, erklärt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Auch für die heftig kritisierte Länderbewertung von Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch wurde eine Kompromissregelung gefunden. Zwar soll die Veröffentlichung der Bewertung von Staaten nur noch an zuvor festgelegten drei Terminen im Jahr und außerhalb der europäischen Börsenzeiten erlaubt sein – jedoch dürften die Ratingagenturen in begründeten Fällen von diesen Terminen abweichen. Die Kriterien dieser Bewertungen müssen dabei stets offengelegt werden. „Oft wurden Ratingveränderungen von Staaten unmittelbar vor entscheidenden EU-Gipfeln bekannt gegeben, obwohl sich an der Lage des betroffenen Landes zuvor nichts geändert hatte“, merkt der Kommentator der „Börsen-Zeitung“ zur Motivation dieser Beschränkungen an.

 


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