Deutliche Kritik an Aufweichung der Liquiditätsregeln für Banken

8. Januar 2013 | Von | Kategorie: Top News

Die Aufweichung der Liquiditätsregeln für Banken in Basel III stößt auf Kritik von Finanzexperten.
Die Regulatoren im federführenden Baseler Ausschuss hatten einerseits die Zeitschiene zur Einführung der Regeln gestreckt – andererseits die anrechenbaren Assetklassen ausgeweitet und die in den Regeln verankerten Krisenszenarien entschärft (vgl. RMRG vom 7.1.). Die kurzfristig vorzuhaltenden Liquiditätspuffer (LCR) sollen zwar weiterhin zu 60 Prozent aus Staatsanleihen bestehen und zu 40 Prozent aus alternativen Anlagen. „Bislang waren für die restlichen 40 Prozent des Puffers Unternehmensanleihen und mit Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegte Bankanleihen (Covered Bonds, Pfandbriefe) akzeptabel, nun können auch Aktien und Hypothekenanleihen einbezogen werden“, erklärt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. „Auch in diesen Anlageklassen hat es in der Krise Verwerfungen gegeben. Deshalb sollte man die Regeln dafür, was man in den Liquiditätspuffer mit aufnimmt, nicht zu sehr aufzuweichen“, mahnt Martin Faust, Bankprofessor an der Frankfurt School of Finance, im „Handelsblatt“. Die neu aufgenommenen Assetklassen dürfen jedoch einen Gesamtanteil von 15 Prozent des Puffers nicht übersteigen.

Die Analysten der Investmentboutique Macquarie Securities bewerten indes die Entschärfung des der LCR zugrundeliegenden Krisenszenarios kritisch. Danach müssen die Banken nur noch einen Einlagenabfluss von drei statt fünf Prozent innerhalb von 30 Tagen verkraften können. „Nicht zuletzt wird Banken ermöglicht, in ‚Perioden von Stress’ bei Bedarf auf ihr von der LCR vorgegebenes Polster an liquiden Aktiva zurückzugreifen“, ergänzt die „Börsen-Zeitung“. „Wenn man die Regeln so steuert, dass selbst der Schwächste sie erfüllen kann, dann dient das langfristig nicht der Nachhaltigkeit der Branche”, zitiert das „Handelsblatt“ die Macquarie-Experten. Die weiterhin bestehende Fixierung der Vorgaben auf Staatstitel moniert hingegen Hans-Peter Burghof, Professor an der Universität Hohenheim: „Die Privilegierung von Staatsanleihen gegenüber anderen Anlageklassen war von vorneherein ein Systemfehler.”

Selbst die branchennahe „Börsen-Zeitung“ unterzieht die neuen Liquiditätsvorgaben unter Basel III in ihrem heutigen Leitartikel einer kritischen Analyse. Es sei „heikel“, dass das Gremium „die Palette liquider Aktiva ausweitet“ und die „Szenarien für Mittelabflüsse von Banken unter Stress entschärft“. „Exotisch wird es“ gar, „wenn die Baseler Regulierer es nationalen Aufsehern erlauben, Zentralbankguthaben von Banken nach Gutdünken in die Quote hinein- oder herauszurechnen, und sie beauftragen, Stressperioden zu identifizieren, in denen Banken die Mindestvorgaben schleifen lassen dürfen“. Mit Blick auf die zahlreichen Lockerungen erklärt der Kommentator: „Die Einigung zeigt exemplarisch, wie sich die Agenda der Regulierer seit Lehman gewandelt hat. Anfangs waren die Stabilisierung des Finanzsystems und dessen Reregulierung oberstes Gebot. Inzwischen haben sich die Prioritäten verschoben. Angesichts der Schuldenkrise sorgen sich die Regulierer auch ums Wachstum und rudern zurück.“ Nach Meinung des Autors ist für die in Basel ausstehende finale Definition der langfristigen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio – NSFR) eine ähnliche Aufweichung zu erwarten.

 


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  2. [...] Informationsdienstes zeige diese Beispiel die Schwächen des Baseler Kompromisses zur LCR auf (vgl. RMRG vom 8.1.). „Das ist eine problematische Situation, da wir immer betont haben, dass die LTV kein guter [...]