Hollands Immobiliensektor wird durch neue Liquiditätsregeln benachteiligt

11. Januar 2013 | Von | Kategorie: Top News

Obwohl der Baseler Ausschuss die Palette der für die künftigen Liquiditätspuffer der Banken anrechenbaren Assets ausgeweitet hat, kristallisieren sich bei Detailanalyse die ersten Verlierer der Regularien heraus.
So rührt sich in den Niederlanden Kritik an den Festlegungen für die Liquiditätsquote (LCR), da die dort aufgelegten Hypothekenverbriefungen für Wohnimmobilien (residential mortgage-backed securities – RMBS) künftig nicht im Liquiditätspuffer der Banken berücksichtigt werden. Die den Verbriefungen unterliegenden Darlehen weisen eine durchschnittliche Beleihungsquote (Verhältnis von Darlehenssumme zu Sicherungswert / loan-to-value ratio – LTV) von 95 Prozent aus. Basel erlaubt jedoch lediglich die prozentuale Anrechnung von Papieren, bei denen diese Quote unter 80 Prozent liegt. Hintergrund ist eine besondere Regelung für steuerliche Abschreibungen bei Immobilienfinanzierungen in Holland, die es Hauskäufern erlaubt, höhere Finanzierungen (im Verhältnis zur Sicherungssumme) abzuschließen als in anderen Ländern. Die Emittenten der Papiere müssen sich nun darauf einstellen, dass sie den Investoren höhere Aufschläge offerieren müssen.

Die niederländischen RMBS, deren Gesamtvolumen sich auf ca. 260 Mrd. Euro beläuft, gelten von je her als sehr ausfallsicher – die entsprechende Quote bewegt nach Bericht von „Bloomberg“ nahe Null. Nach Ansicht des Informationsdienstes zeige dieses Beispiel die Schwächen des Baseler Kompromisses zur LCR auf (vgl. RMRG vom 8.1.). „Das ist eine problematische Situation, da wir immer betont haben, dass die LTV kein guter Maßstab zur Bewertung des Kreditrisikos ist“, erklärt Dipesh Mehta, Analyst für Verbriefungen bei Barclays in London. „Im Fall der niederländischen RMBS bin ich besonders skeptisch, da diese als einer der Bereiche mit bester Performance gelten und durch die Regeln benachteiligt werden“, so der Experte.

Mit Blick auf diese Aussagen ist zu erwarten, dass die Problematik auch bei den Verhandlungen zur Basel III-Umsetzung in Europa (CRD IV) zur Sprache kommen wird. Der Basel III-Berichterstatter des Europaparlaments, Othmar Karas, hatte erklärt, dass die neuen Baseler Vorgaben zur Liquidität bei den finalen Verhandlungen diskutiert werden (vgl. RMRG vom 10.1.). Hier könnten die niederländischen Akteure in den europäischen Gremien Nachbesserungen einfordern – Ausnahmeregeln, die wiederum anderen nationalen Begehrlichkeiten Tür und Tor öffnen könnten. Ob die Verhandlungen somit tatsächlich, wie von Karas anvisiert, noch in diesem Monat angeschlossen werden können, erscheint nun fraglich.

 


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