Experte: Deutsche Banken müssen Risikoausschüsse professioneller aufstellen

10. April 2013 | Von | Kategorie: Top News

Das Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) kritisiert das Vorgehen deutscher Banken, den Vorsitz ihres Risikoausschusses in Personalunion mit dem Aufsichtsratsvorsitz zu besetzen.
Wolfgang Hartmann, Vorstandsvorsitzender des FIRM und ehemaliger Chief Risk Officer (CRO) der Commerzbank, fordert daher in einer Gastbeitrag der „Börsen-Zeitung“: „Vorsitz bei Risikoausschuss und Aufsichtsrat trennen.“ Die entsprechenden Vorgaben sind im Kreditwesengesetz (KWG) verankert. Der Gesetzgeber empfiehlt darin allen größeren Finanzinstituten die Bildung eines solchen Gremiums. „Allerdings steht die wesentliche Voraussetzung für die Unabhängigkeit und Professionalität leider nicht im Gesetzentwurf: Der Risikoausschuss-Vorsitzende darf nicht in Personalunion vom Aufsichtsratsvorsitzenden gestellt werden“, moniert Hartmann. Genau diese Personalunion sei in deutschen Banken jedoch bislang die Regel. Für den Risikoexperten ist es unverständlich, weshalb für gute Corporate Governance die Trennung des Aufsichtsratsvorsitzenden vom Vorsitz des Prüfungsausschusses verlangt werde, dies aber für den Risikoausschuss nicht gelten solle.

Die Empfehlung zur Einrichtung eines bankinternen Risikogremiums zielt nach Definition Hartmanns auf die Überwachung in Zukunft entstehender Risiken und die Kontrolle des entsprechenden Risikomanagements der Geschäftsleitung ab. „Wie aber kann eine Bank die so wichtig eingeschätzte Unabhängigkeit der Risikofunktion sicherstellen, wenn im Risikoausschuss, dem höchsten Gremium für die Risikoüberwachung, diese Unabhängigkeit nicht gewährleistet ist, sondern die Verantwortung in der Person des Aufsichtsratsvorsitzenden zusammenfließt?“, fragt der Autor im Beitrag für die „Börsen-Zeitung“. Hartmann schließt mit einem indirekten Appell an den Gesetzgeber, an diesem Punkt des KWG nachzusteuern.

 


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