Analyse: Kreditausfälle wurden bei US-Hypotheken bewusst in Kauf genommen

27. Februar 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers1Eine aktuelle Analyse der Tageszeitung „USA Today“ zeigt auf, dass noch im Jahr 2007 – als die Auswirkungen der Ausfälle im Segment der Subprime-Hypotheken am US-Finanzmarkt schon offensichtlich wurden – die unverantwortliche Kreditvergabe in dieser Zielgruppe weiter massiv ausgeweitet wurde.
Damals seien durch Banken und Hypothekenvermittler in den USA nochmals 419.000 Kreditverträge abgeschlossen worden, die das jährliche Haushaltseinkommen der Darlehensnehmer mindestens um das vierfache überschritten. Damit seien 9 Prozent der privaten Immobilienfinanzierungen im Jahr 2007 in diesem Höchst-Risikobereich abgeschlossen worden – mehr noch als zu den Hochzeiten des US-Immobilienbooms. Für die Immobilien-Expertin Susan Wachter von der Wharton Business School der University of Pennsylvania erscheint es damit offensichtlich, dass Kreditausfälle wissentlich in Kauf genommen wurden.

„It’s the continuation of loans that were clearly designed to fail“, so ihre Analyse. Es sei klar gewesen, dass man auf ein Desaster zulaufe – und trotzdem wurden weitere risikoreiche Darlehen ausgegeben. Auf Basis der zu diesem Zeitpunkt niedrigen US-Zinsen und Kreditverträgen mit zinssatzgebundenen Monatsraten hätten die ausgebenden Finanzdienstleister die Kunden geködert. Margot Saunders vom National Consumer LawCenter wird in der „USA Today“ dahingehend zitiert, wonach diese großvolumigen Kreditkonstrukte vergleichbar mit der Situation seien, wenn „man von einer Brücke springe, ohne zu wissen, wie hoch diese ist“.

Auf dem krisengeschüttelten US-Häusermarkt sind aktuell noch keine Anzeichen einer Stabilisierung zu erkennen. Neun Prozent aller Hypotheken in den USA waren nach Angaben der Mortgage Bankers Association schon 2008 von Zwangsversteigerungen betroffen oder bedroht. Bis 2012 könnte diese Zahl auf 16 Prozent steigen – wohinter sich acht Millionen Haushalte verbergen. Nach Erhebungen des Branchendienstes Zillow verlor der US-Wohnimmobilienmarkt im vergangenen Jahr 3,3 Billionen Dollar an Wert. Bei jedem sechsten Hausbesitzer ist die Hypothek mittlerweile höher als der Wert seines Hauses.

Um die Abwärtsspirale am Immobilienmarkt zu stoppen, hatte US-Präsident Barack Obama jüngst einen Rettungsplan vorgestellt, der das Problem an verschiedenen Punkten angeht. So soll in Verzug geratenen Kreditnehmern durch Streckung von Tilgungs- und Zinszahlungen geholfen werden. Hausbesitzer, die noch Raten zahlen können, deren Gebäude aber weniger Wert sind als die Hypothek, sollen eine günstigere Refinanzierung erhalten. Im Mittelpunkt dieser Maßnahmen stehen die inzwischen verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Die Dramatik der Situation wurde gestern Nacht erneut deutlich: Fannie Mae musste eine Versiebenfachung seines Verlusts verkünden und braucht nun erneut die Hilfe der Regierung. Im vierten Quartal verbuchte der Immobilienfinanzierer ein Minus von 25,2 Mrd. Dollar. Grund sei eine Zunahme fauler Hypotheken und niedrigere Zinsen, fasst die Nachrichtenagentur „Reuters“ die Aussagen des Unternehmens zusammen. Das Institut benötigt 15,2 Mrd. Dollar vom Staat, um das Loch in seiner Kapitaldecke zu stopfen. Fannie Mae warnte, dass die Krise an den Haus- und Kreditmärkten 2009 sogar noch schlimmer werden könnte (weitere Quellen: Handelsblatt, National Mortgage News).

 


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