Laufender Kulturwandel der Deutschen Bank im Fokus

21. Mai 2013 | Von | Kategorie: Top News

Im Nachlauf der Finanzkrise und zahlreicher Skandale haben sich viele Banken einen so genannten Kulturwandel verordnet. Prominentes Beispiel ist dabei die Deutsche Bank.
In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ nimmt Aufsichtsratschef Paul Achleitner Bezug zur laufenden Debatte rund um das Thema Kulturwandel: Die Bank verzichte lieber auf ein Geschäft, „bevor wir uns hinterher Ärger einhandeln“, so Achleitner mit Blick auf die laufende juristische Aufarbeitung des Libor-Skandals. Bis die Geister der Vergangenheit verjagt seien, würden Jahre ins Land ziehen, so Achleitner. „Das Problem reicht ja über das rein Juristische hinaus: Es wird geraume Zeit dauern, bis die Bankindustrie wieder das Standing und das Vertrauen aufgebaut hat, das es vorher hatte.“ Im Prolog des Interviews schreibt das Blatt: „Aufsichtsratschef Paul Achleitner bringt die Deutsche Bank auf eine neue Linie: Weniger Boni, mehr Moral“. Der Auto fragt in diesem Kontext: „Wie ernst ist das gemeint?“ Auf die Frage der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, ob das Wort „Kulturwandel“ nicht eine arg strapazierte Vokabel sei, antwortet Achleitner wie folgt: „Vielleicht, weil viele das Pferd von hinten aufzäumen: Kultur ist nicht der Anfang des Wandels, sondern das Ergebnis einer Entwicklung. Den Kulturwandel führen wir herbei durch die Vorbildfunktion der Führung, durch neue Verhaltensregeln, ein anderes Vergütungssystem, durch Weiterbildung.“ Unterdessen sieht Achleitner die Position von Co-Vorstandschef Anshu Jain im Libor-Skandal gestärkt. „Herrn Jain ist persönlich nichts vorzuwerfen“, sagte der Chefkontrolleur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Achleitner bekräftigte aber: „Wir arbeiten alles auf, was falsch gelaufen ist.“

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zieht indes Bilanz zum laufenden Kulturwandel bei der Deutschen Bank und kommt dabei – unter Berufung auf Mitarbeiter und Investmentbanking-Kreisen – zu einem eher negativen Votum: „Kulturwandel? Da rollen einfache Mitarbeiter nur mit den Augen“, wird ein Mitglied des Gesamtbetriebsrats zitiert. Für die meisten sei das nicht mehr als ein von oben verordnetes Schlagwort. Kritiker in der Bank würden zudem sagen, in Wahrheit bestehe das Problem des Hauses in der Führungskultur, die Anshu Jain und sein Vorgänger Josef Ackermann etabliert hätten. „Die Investmentbanker fühlen sich vor allem Jain oder ihrem unmittelbaren Vorgesetzten verpflichtet und nicht der Bank oder irgendwelchen abstrakten Werten“, wird ein interner Kritiker zitiert. Gleichwohl würden gerade die Großaktionäre über einen Fortgang des Kulturwandels wachen: „Die von Hermes vertretenen Investoren wünschen sich noch mehr Fokus auf den angekündigten Kulturwandel“, wird hierzu Hans-Christoph Hirt von der britischen Aktionärsvertretung Hermes zitiert. Er wolle „greifbare Veränderungen“ sehen. „Ganz wichtig ist, dass das Thema Kulturwandel auch in die gesamte Vergütungspraxis integriert wird.“ Die Vergütung, bezogen auf die Erträge, sei noch immer sehr hoch. Am Ende des Beitrags zieht der „Spiegel“ folgendes Fazit: „Eine kulturelle Revolution ist all das nicht.“

 


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