Deutsche Bank: Blick hinter die Kulissen des Kulturwandels

23. Mai 2013 | Von | Kategorie: Top News

Im Umfeld der heute stattfindenden Hauptversammlung der Deutschen Bank beschäftigen sich diverse Medien mit dem Status der Umsetzung des Themas des „Kulturwandel“ beim deutschen Branchenprimus.
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ etwa sieht hier noch gewaltige Herausforderungen auf die Deutsche Bank zukommen: „Angesichts unzähliger Skandale hat die führende Bank des Landes den Kulturwandel ausgerufen. Alles Schönfärberei?“. Das Blatt wirft einen Blick „hinter die Kulissen“ und sieht das Institut am Scheideweg angekommen: „Vom Erfolg hängt der Ruf und damit auch die Zukunft der Bank ab. Kunden fühlen sich von ihr über den Tisch gezogen, es gibt viele Klagen und kostspielige Vergleiche, Skandale und staatliche Ermittlungen weltweit. Das einst so stolze Haus steht heute wie ein Hort von Zockern und Verbrechern da.“ Das Blatt sieht die Bank dabei vor einem gewaltigen Erwartungsdruck der Öffentlichkeit: „So oft, wie die Führung das Wort vom ‚Kulturwandel‘ benutzt, gibt es für sie kaum mehr ein Zurück. Die Deutsche Bank darf keine neuen Skandale mehr produzieren. Sie muss Grauzonen meiden, bei Interessenkonflikten verantwortlich handeln und vor allem beweisen, dass sie fragwürdige Geschäfte auch dann meidet, wenn es mal schlechter läuft. Wenn ihr Wettbewerber mit weniger Skrupeln enteilen.“

„Doppelspitze für den Umbruch“, titelt unterdessen ein Kommentar in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Gleichwohl bestünde wenig Hoffnung, dass die Bank den Kulturwandel in einem überschaubaren Zeitraum werde abschließen können. Hinzu kämen die „vielfältigen Rechtsrisiken“: „Sie haben die Aktionäre schon 2,4 Mrd. Euro Rückstellungen gekostet und dürften weitere hohe Summen erfordern.“ Das Generalfazit des Autors ist somit ambivalent: „Die neue Führung hat sich Respekt verschafft. Doch der Kulturwandel lässt noch auf sich warten.“ Unterdessen geht die „Süddeutsche Zeitung“ in dem Beitrag „Kaufmann oder Zocker“ auf Spurensuche über das neue Selbstverständnis des neuen Führungsduos. Versuche von Co-Chef Anshu Jain, sich durch symbolische Handlungen wie das Verwenden der deutschen Sprache bei seiner anstehenden HV-Rede in ein positiveres Licht zu rücken, würden nur wenig über die Ernsthaftigkeit seiner Ziele aussagen. Aus Sicht der Öffentlichkeit gebe es letztlich nur eine Frage: „Ist Jain im Herzen ein vorsichtiger deutscher Kaufmann – oder ist er eher ein Londoner Zocker? Darauf müssen die Deutsche Bank und Jain eine klare Antwort geben. Eine Scheinantwort reicht nicht aus.“

Das „Handelsblatt“ wiederum veröffentlicht einen Beitrag über die nach wie vor bestehende Kritik von Menschenrechtlern und Umweltschützern an dem Institut. Laut „Handelsblatt“ haben Organisationen wie Urgewald, Facing Finance und Oxfam einen Tag vor der Hauptversammlung der Bank in Berlin zu einer „Notenkonferenz“ eingeladen. Die Bankenspitze um Jain/Fitschen würde demnach – trotz gutem Willen – ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht, urteilen die Organisationen. Daher sei „die Versetzung ins Geschäftsjahr 2013/2014 aufgrund der angerichteten Schäden an Mensch und Umwelt nicht zu empfehlen“, steht in dem Zeugnis, das heute an die Aktionäre verteilt werden soll.

 


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