Leverage Ratio als Konfliktpunkt zwischen Grünen und Deutscher Bank

29. Mai 2013 | Von | Kategorie: Top News

Die Deutsche Bank wehrt sich gegen Pläne der Grünen, eine strikte Verschuldungsgrenze für Banken einzuziehen.
Mehrere Medien berichten heute über eine Veranstaltung der Grünen-Bundestagsfraktion in Frankfurt, wo der Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain, die und Liquiditätsregeln für neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für Banken (Basel III) verteidigte, „obwohl diese unsere Eigenkapitalrendite auslöschen“. Auf der in Englisch geführten Diskussion warnte Jain zudem vor einer Balkanisierung der Regulierung, also vor international unterschiedlichen Regeln. Die Einführung einer strikten Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) für die Bankenbranche, wie sie die Grünen fordern, lehnte Jain ab. Jain sprach sich dafür aus, zunächst die Baseler Regeln international einheitlich umzusetzen. Auch Andreas Dombret, im Vorstand der Bundesbank verantwortlich für Finanzstabilität, sprach sich für einheitliche Regeln aus. Wenn unterschiedliche Dinge gleich behandelt werden, erhalte man ein ungerechtes Regime, warnte er vor der Schuldengrenze als einzigem Regulierungsinstrument. Indes fordern die Grünen-Spitzenpolitiker Jürgen Trittin (Fraktionsvorsitzender) und Gerhard Schick (finanzpolitischer Sprecher) in einem Gastkommentar für das „Handelsblatt“ einfachere Regeln im Banking sowie schlichtere, nachvollziehbarere Regulierungsstrukturen: „Wenn ein Jurist dazu die Regeln aufzuschreiben hätte, würde er ein kompliziertes Traktat verfassen. Genau dies ist im Turm zu Basel geschehen mit dem Regulierungsansatz von Basel II und jetzt auch Basel III.“ Experten zufolge würden die Umsetzungsrichtlinien über 60.000 Seiten umfassen. „Diese Regulierung führt zu hohen bürokratischen Kosten: für die Verwaltung und für die Compliance-Abteilungen in den Banken. Kleine Institute geraten unter Konsolidierungsdruck. Diese Regulierung führt ferner zu Scheinsicherheit und zu einem Wettrüsten zwischen Finanzindustrie und Aufsicht.“ Ziel der internationalen Regulierer müssten den Autoren zufolge einfachere, aber striktere Regeln sein. Im Fokus der Partei steht dabei die benannte Leverage Ratio.

Auf einem Symposium der Bundesbank hat deren Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger gestern indes vor einer Verschärfung der Regeln für die Obergrenze des Verschuldungshebels von Banken gewarnt. In der Diskussion einiger Wissenschaftler, Politiker und mancher internationaler Institution werde „eine vermeintlich einfache Regel als Allheilmittel für bankaufsichtliche Probleme verklärt“, kritisierte Lautenschläger. Ihrer Einschätzung zufolge sei das Paradoxe: „Entweder hat man eine einfach konzipierte Leverage Ratio, die Banken nicht vergleichbar macht, oder man hat eine vergleichbare Kennziffer, deren Ermittlung aber ‚einigen Aufwand‘ erfordert“, fasst die „Börsen-Zeitung“ die Position Lautenschlägers zusammen. Lautenschläger breche damit eine Lanze für eine am jeweiligen Risiko von Bilanzpositionen orientierte Berechnung des Eigenmittelbedarfs, heißt es in dem Beitrag.

 


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