Bankenüberprüfung der EZB könnte böse Überraschungen bringen

31. Mai 2013 | Von | Kategorie: Top News

„Wer kommt für die Lücken auf?“, fragt die „Neue Zürcher Zeitung“ in einem Beitrag über die künftigen Aufsichtsstrukturen in Europa, die maßgeblich von der Europäischen Zentralbank geprägt werden.
Die EZB, so heißt es darin, wolle „die Katze nicht im Sack kaufen“. Bevor sie im kommenden Jahr mit der Aufsicht über Europas Großbanken beauftragt werde, „möchte sie die ihr anvertrauten Schäflein auf Herz und Nieren prüfen.“ „Balance Sheet Assessment” oder „Asset Quality Review“ heißt dabei das Zauberwort, mit dem den Banken, die künftig direkt der Aufsicht der EZB unterstellt werden, tief in die Bücher geschaut werden soll. Dadurch solle sichergestellt werden, dass die Notenbank von den nationalen Aufsichtsbehörden keine „Leichen“ in den Kellern der bisher von diesen kontrollierten Geldhäusern erbe. Dass die EZB nur saubere Banken nehmen wolle, sei aus Sicht der Notenbank „verständlich“, so die „Neue Zürcher Zeitung“ weiter. Schließlich wolle sie keine Altlasten übernehmen, die dann ihrer Reputation als Bankenaufsicht schaden. Weiter heißt es in dem Beitrag: „Diese Überprüfung der Großbanken wird um einen Stresstest der Bankenbehörde EBA im kommenden Frühling ergänzt, der erstmals ebenfalls die Handschrift der EZB tragen wird. Es bestehen keine Zweifel daran, dass die EZB diese Prüfungen akribisch und losgelöst von nationalen Befindlichkeiten durchführen wird.“ Das Generalfazit der „Neue Zürcher Zeitung“ zu dem Vorhaben lautet denn auch: „Das große Saubermachen der EZB ist richtig und wichtig. Sinnvoll ist es aber erst, wenn geklärt ist, wer für den von ihr gefundenen ‚Dreck‘ aufkommen wird.“

Indes berichtet das „Handelsblatt“, dass die Arbeiten an einer europäischen Bankenunion, die eine zentrale Aufsicht etablieren soll, in den kommenden Monaten schneller als bisher erwartet vorankommen. Grund für die Beschleunigung sei der mögliche Verzicht auf eine gemeinsame Einlagensicherung, die als Stolperstein des Projektes galt. Ein Experte der französischen Regierung sagte, dass man auch gut mit nationalen Systemen arbeiten könne, falls die den Anforderungen entsprächen, die von der EU-Kommission genannt wurden. So lasse sich ein drohender Bankkollaps (verursacht durch das schlagartige Abräumen von Konten) auch durch ein gemeinsames System für die Abwicklung von Geldhäusern gewährleisten. Die Regierung in Paris hatte sich bislang für eine gemeinsame Absicherung eingesetzt.

 


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