Ex-BIZ-Chef verteidigt Baseler Regelwerk

5. März 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers1Der ehemalige Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Malcolm Knight, versucht im Gespräch mit dem Branchenblatt „Asian Banker“ die für die Finanzmarktkrise ursächlichen Fehler zu beschreiben.
In dem Zusammenhang weist er darauf hin, dass die Baseler Eigenkapitalrichtlinien trotz aller Kritik und anstehenden Revisionen der richtige Regulierungsansatz seien. „It is not correct to think that the present crisis is an indictment of the Basel II framework“, betont Knight. Die geplanten Modifikationen an Basel II seien ein normaler Schritt, da die Regularien ursprünglich auch so konzipiert worden seien, dass sie sich mit den Neuerungen am Markt weiterentwickeln müssen.

Das Baseler Regelwerk habe sich als international einheitliches Set von Vorschriften erwiesen, das durchaus mit den Entwicklungen am Finanzmarkt Schritt halten könne. Diese Wirkung habe insbesondere ab dem Zeitpunkt beobachtet werden können, seit „the fragmentation of regulation across jurisdictions was a major contributor to the intense competition and weak risk management that were a key cause of the crisis.“

Ab April wird der ehemalige Vorsitzende des Baseler Ausschusses, Jaime Caruana, das Amt als BIZ-Chefs antreten. Gerade die Erfahrungen in diesem Gremium machen den Spanier zum geeignetsten Nachfolger des ausgeschiedenen Malcolm Knight, war sich die “Süddeutsche Zeitung” schon Anfang Januar sicher. „Die diskutierten über Jahre hinweg neue Eigenkapitalvorschriften für Banken, die besser an den Risiken ausgerichtet sind. [...] Die Regelwut der Europäer stieß auf heftigen Widerstand der Amerikaner. Die neuen Vorschriften wurden mit Verspätung in Europa umgesetzt, möglicherweise zu spät“, heißt es rückblickend zu den Konflikten im Ausschuss.

Die SZ lobte Caruanas Wirken als Notenbankchef in Spanien (2000-2006). Seinem Einfluss sei es mit zu verdanken, dass die spanischen Banken in der aktuellen Finanzkrise relativ gut dastünden. „Er vermieste den Kreditinstituten das Verstecken hochriskanter Geldanlagen in Zweckgesellschaften mit Auflagen und zwang sie zum Aufbau von Rücklagen für schlechte Zeiten“, verweist der Bericht auf die streng ausgelegten Eigenkapitalregeln des Landes – die in der aktuellen Debatte um eine Modifikation von Basel II als vorbildlich gelten.

 


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  1. [...] Die spanische Zentralbank hatte diese zusätzliche Regulierung nach dem System des “dynamic provisioning” im dortigen Bankensektor implementiert und damit nach Experten-Meinung, die spanischen Kreditinstitute besser auf die aktuellen Markverwerfungen vorbereitet. Diese stringentere Auslegung der Eigenkapitalregeln erfolgte unter der Ägide des damaligen Notenbankchefs Jaime Caruana (2000-2006), der seit Anfang April Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. Der BIZ ist auch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zugeordnet. Dieses für die Neugestaltung der Eigenkapitalrichtlinien maßgeblich verantwortliche Gremium hatte erst vor kurzem Sympathien für das “dynamic provisioning” verlautbaren lassen (vgl. RMRG vom 5.3.). [...]